Unabhängigkeitstag

p1050217

Der 11. März ist der Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens, einer der wichtigsten nationalen Feiertage im Jahr. An jenem Tag im Jahr 1990 wurde nach den vorangegangenen ersten freien Wahlen die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt.

p1050240
Dieses Jahr stand der Feiertag im Zeichen des Krim-Konfliktes und die Litauer mit denen ich gesprochen habe, sind sehr dankbar durch die EU und NATO Mitgliedschaft unabhängig vom Kreml zu sein. Dieses Bild bestätigte sich wenn man in die Straßen schaute. Viele Litauer bekundeten ihre Solidarität mit den Ukrainern durch das Schwenken von ukrainischen Fahnen.

p1050279

Die Feierlichkeiten begannen in der Früh mit einem Tag der offenen Tür im Parlament, einer Demonstation und einer Ausstellung am Gediminas Prospekt. Hier wurden Portaits berümte Litauer auf großen Drucken ausgestellt. Ab Nachmittag gab es Konzerte am Vincas Kudirka Platz, während die Hauptveranstaltung mit Reden und Konzerten am Abend auf dem Kathedralenplatz statt fand. Auch hier war eines der Hauptthemen die Lage in der Ukraine. Beendet wurde der Feiertag mit dem obligatorischen Feuerwerk.

p1050315

Martin zu Besuch und ein Ausflug nach Kaunas

p1050173

Letztes Wochenende war Martin aus Bamberg zu Besuch. Wir haben die Stadt weiter erkundet, waren in der Oper in Tschaikowskis Eugen Onegin und haben auch einen Ausflug nach Kaunas gemacht. Die Photos davon gibt es wieder im Photoblog. Leider hat es dann Martin gesundheitlich ein wenig erwischt und so waren wir in unseren weiteren Aktionen ein wenig eingeschränkt.

Amsterdam

amsterdam

Am vergangenen Wochenende habe ich recht spontan eine Städtereise nach Amsterdam unternommen um Daniel, einen ehemaligen Kommilitonen aus Bamberg zu besuchen. Er hat dort einen Job als technischer Consultant in einem e-Commerce Unternehmen aufgenommen. Nach drei Wochen eher langweiligen Semesterferien in Vilnius war das nochmal eine willkommene Abwechslung.

Am Donnerstag in der Früh ging es los: Aus dem frostigen Vilnius über Warschau ins leicht bewölkte Amsterdam mit deutlichen Plusgraden. Dort angekommen lieferte ich erstmal mein Gepäck bei Daniel auf der Arbeit ab und verbrachte daraufhin den ganzen Tag in der Stadt. Ohne einen wirklichen Plan lief ich durch die Gassen und Straßen und versuchte mir erstmal einen Eindruck von der Stadt zu machen.

Amsterdam ist im zweiten Weltkrieg nicht stark bombardiert worden, daher stehen noch viele alte Gebäude und tendenziell wenige Neue. Das Zentrum wird von einem Kanalgürtel gebildet — die so genannten “Grachten”. An den Ufern von diesen steht ein Haus neben dem Anderen wie die Zähne in einem sehr unregelmäßigen Kiefer. Viele neigen sich ganz schön nach Vorne und haben noch die Haken, welche früher als Lastenzug verwendet wurden.

p1040548

Was auch sehr interessant war, dass man die Unterschiede zwischen den Vierteln gut erkennen kann: Zwar strömt einem immer und überall Hanfduft entgegen, aber in Chinatown sah alles sehr asiatisch aus, in Jordaan gibt es viele Cafes und Innenhöfe in der Binnenstad ist die Haupteinkaufsstrasse gelegen und das Rotlichtviertel ist eben auch auf seine Art und Weise einzigartig. Wobei man beim Letzteren dazusagen muss, dass es gleichzeitig ein Wohnviertel ist, wo es auch Offices, Cafes und Restaurants gibt.

p1040510

Am Freitag standen bei mir dann die Museen auf dem Plan. Nachdem ich mittellang ausgeschlafen hatte, fuhr ich zur Centraal Station und setzte mit der Fähre nach Ij über. Dort ist das recht neue EYE (Wortspiel!) Filmmuseum, wo es im Keller eine kostenfreie Ausstellung zu sehen gibt. Die war zwar nicht so groß, aber allein die Bootsfahrt und das Gebäude haben sich schon gelohnt anzusehen.

p1040665

Am Nachmittag fuhr ich zum Museumplein und musste mich entscheiden: Stedelijk Museum, Van Goth Museum, Rijksmuseum oder Diamond Museum. Schließlich fiel die Wahl auf das Rijksmuseum, da es bis 17 Uhr offen hatte und nicht nur auf Gemälde beschränkt war.
Dort machte ich eine Zeitreise durch die Holländische Kunst vom Jahr 1000 bis 2000 und wurde grade so bis 17 Uhr fertig, als alle Besucher gehen mussten. Die Highlights dort waren die Schiffsmodelle der Niederländischen Flotte, die Gemälde der großen Meister und auch besondere Schachbretter, die immer wieder mal eingestreut waren.
Das ganze Museum kann man übrigens auch im Google Museum View virtuell begehen.

Nachdem ich meine Jacke wieder hatte, fuhr ich bei Daniel auf der Arbeit vorbei. Er zeigte mir seinen Arbeitsplatz, wir tranken ein Bier (ist dort am Freitagabend Usus) und spielten noch eine Runde Kicker.
Danach fuhren wir in die Stadt und aßen in einem argentinischen Steakhouse sehr (!) gut zu Abend. Gut gesättigt gingen wir noch in einen Irish Pub wo noch ein ehemaliger Arbeitskollege von Daniel und eine Freundin von ihm zu uns stießen. Es wurde noch ein fröhlicher Abend und wir brachen auch erst auf als die Liveband abbaute.
p1040862

Den Samstag gingen wir dementsprechend langsam an, kochten uns Geschnetzeltes und kauften Wein und Käse für den Abend ein. Den Nachmittag verbrachten wir mit einem weiteren Rundgang durch die Innenstadtviertel rund um die Grachten beginnend mit Jordaan und schließend mit Chinatown.
Am Abend aßen wir Knoblauchbaguette mit dem Käse und genossen den Blick über die Stadt von seinem Wintergarten im 14. Stock. Ich hatte vier Sorten gekauft und besonders der alte Ziegenkäse wurde stark “minimiert”.

p1040706

Am Sonntag waren wir zum Essen im “Oriental City” mitten in Chinatown eingeladen. Die Gruppe von ca. 30 Leuten setzte sich aus aktiven und ehemaligen Mitarbeitern mit Partnern aus Daniel Abteilung zusammen und es stellte sich heraus, dass dieses Essen traditionell vierterjährlich stattfindet.
Die Gerichte waren kleine Portionen, die auf ein Rondell gestellt wuerden und jeder am Tisch aß von allem ein wenig. Dazu gab es Tee und Bier. Ich hatte einen großen Spaß daran mit den Chopsticks zu essen und von allem zu probieren, denn es waren auch einige sehr “spannende” Sachen dabei. Angefangen mit Frühlingsrollen und Reis in Bambusblättern über Pilze, Algen und Schrimps bis hin zu Hühnerfüßen und einigen schwer definierbaren Delikatessen. Es war aber alles gut zubereitet und von sehr guter Qualität.

Am Nachmittag fuhren wir mit der Tram zum Vondelspark südlich des Zentrums, wo wir einmal durchliefen um so das Essen langsam verdauten. Das nächste Ziel war die Brouwerij 't IJ, die sich in einer alten Windmühle befindet. Dort werden sehr hippe Biersorten gebraut, die recht stark sind und auch sehr unterscheidlich schmecken. Der Brauereipub ist eine ziemlich ranzige Bude wo man sich auch noch einen Käse oder Hartwurst zum Bier kaufen konnte. Es war recht voll, aber als wir dann doch noch einen Sitzplatz fanden, tranken wir doch noch ein zweites Bier und nahmen sogar noch jeweils einen Karton mit sechs Sorten Bier mit.

p1040939

Am Abend aßen wir weiter an den Käsestücken und schauten zum Ausklang noch den Tatort an. Danach ging es aber auch an schlafen, schließlich musste Daniel ja am Montag arbeiten und ich den Bus um 5 Uhr in der Früh nehmen.

Die Rückreise verlief gut wenn man mal davon absieht, dass ich den Restkäse im Kühlschrank vergessen habe. Ein sehr schöner Ausflug, jetzt kann das neue Semester beginnen.

Weitere Bilder von diesem Trip gibts in meinem Photoblog zu sehen.

Chaos Communication Congress — 30C3

outside

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester war ich auf dem 30. Chaos Communication Congress in Hamburg. Nachdem ich die letzten Jahre diese Veranstaltung immer über den Livestream verfolgt hatte, war ich dieses Mal mit Tilmann, Arnulf und Konrad ab Tag 0 live dabei. Da der Congress mit ca. 9000 Leuten ein Riesenevent ist, wird ein großteil der Arbeit von den sogenannten Engeln gestemmt, wo wir uns auch engagiert haben. Wenn man grade mal nichts zu tun hatte, konnte man sich in diverse Schichten eintragen und dazu beitragen, dass alles glatt läuft. Die Arbeiten reichten von Eingängen bewachen, Barschichten, Flaschen einsammeln, Essen machen, über die konferenzorientierten Audio- und Videoschichten bis hin zu Info- und Pressearabeit und natürlich dem Auf- und Abbau.

Am Tag 0 noch vor der Eröffnung war das riesige und sehr verwinkelte Congresszentrum noch mitten in den Aufbauarbeiten, aber trotzdem waren die allermeisten schon da und überall blinkte es und irgendwelche Technik bewegte sich.

Ein besonderes Großprojekt war ein Luftpostsystem namens “Seidenstraße”, womit man flaschengroße Kapseln mit einem “FFFOOMMPPP” durch das ganze Gebäde schicken konnte. Ansonsten war neben dem Hackcenter und der Lounge auch die ganzen kleineren Areas richtig cool. Meist konnte man irgendwo bequem chillen, es spielte irgendeine deepe Musik und immer gab es etwas zu sehen.

p1020613

Die Lounge, wo jeden Abend eine Party stieg war besonders dekoriert: Man konnte auf einem echten Wasserwerfer tanzen, der vor einem Haufen Barrikaden stand auf denen ein lebensgroßer Hai trohnte. Der geneigte Nerd wird wissen, dass sowas nur mit einem Begriff beschrieben werden kann: fnord. Und genau dieser ward auf großen Bannern an den Wänden geschrieben — selbstredend in Binär codiert. Nebenbei stand eine Telefonzelle in der Gegend rum um man sagte mir, dass man auch mit Feldtelefonen durch den Raum kommuniziren konnte.

hai

barrikade

telefon

Natürlich gab es auch die Vorträge, von denen ich mir einige angeschaut habe, wobei ich mich vor allem auf solche konzentriert habe, die mir nur live besonders lohnenswert erachtete. Besonders empfehlen kann ich “Bullshit made in Germany” von Linus Neumann, “The Four Wars — Terror, whistleblowers, drugs, internet” von der ehemaligen MI5 Agentin und Whistleblowerin Annie Machon, “Seeing The Secret State: Six Landscapes” von Trevor Paglen, die Cryptotalks “The Year in Crypto” und “Kryptographie nach Snowden”, die “Bug class genocide” von Andreas Bogk, “10 Years of Fun with Embedded Devices” über OpenWrt, “To Protect And Infect, Part 2” von Jacob Appelbaum, die jährlichen Klassiker mit der “Fnord News Show” und “The Tor Network”, Joscha Bachs Versuch Leute für AI zu motivieren “How to Build a Mind” und natürlich Martin Haase mit “Keine Anhaltspunkte für flächendeckende Überwachung”.

p1020591

Insgesamt muss ich sagen, dass es ein grandioser Congress war und dass ich mich mit den anderen schon nach den sommerlichen Hackercamps umgeschaut haben.

Viele weitere Bilder findet man auch auf Flickr.

Vierter Advent in Deutschland

baum

Nach einem lernintensiven und dadurch anstrengenden Dezember bin ich nun daheim angekommen. Die Zeit seit Lappland war sehr durch Termindruck, Lernerei und die obligatorischen Parties am Ende des Semesters geprägt. Zwar hatte ich insgesamt nur eine Klausur in Kryptologie, aber ich musste in Kodierungstheorie die letzten Abgaben erledigen, hatte eine Hausarbeit in Künstlicher Intelligenz anzufertigen und zwei Projektberichte in Software Engineering und dem “Wireless Speaker” – Projekt zu schreiben. Der letztere ist auch schon jenseits der 40 Seiten und muss noch bis zum Freitag fertiggeschrieben werden.

Am Freitag bin ich — diesmal mit dem Flieger — von Vilnius über Wien nach München geflogen. Das Wetter wurde leider auch immer nasser, aber mittlerweile ist das Wetter auch hier wieder ganz in Ordnung. Auch sehr schön war der Flug von Wien nach München mit einem in der Abendsonne gefärbten Alpenpanorama über den Wolken.

Nach den Weihnachtsfeiertagen ist das letzte Highlight des Jahres der 30. Chaos Communication Congress in Hamburg, wo ich mit Tilmann, Arnulf und Konrad hinfahren werde.

Ich wünsche allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und eine schöne Zeit zwischen den Jahren.

Euer Linus

Lappland — Heimreise

Die Heimfahrt gestaltete sich langwierig. Anstatt direkt nach Rovaniemi zu fahren, machten wir einen völlig unnötigen, zweistündigen Halt in Saariselkä.
Dadurch wurde der Aufenthalt in Rovaniemi wo wir eigentlich das Arktische Museum anschauen wollten deutlich reduziert und wir hatten im Endeffekt nur noch eine Stunde Zeit Schlittschuh zu laufen, bis es weiterging. Das war eine ärgerliche Programmänderung seiters der Reiseleitung, die uns auch auch Nachfrage nicht wirklich gut erklärt werden konnte. Jedenfalls ging es danach über Nacht nach Helsinki, wo wir wiederum strahlend grüne Polarlichter im Himmel sehen konnten, die kontinuierlich ihre Form änderten und teilweise ins gelbe übergingen. Ein wundervoller Abschied aus Lappland.

In Helsinki kamen wir allerdings schon um 7 Uhr in der Früh an und es begann gleich zu regnen. So hatten wir uns das mal ganz und gar nicht vorgestellt! Wir warteten eine Weile im Bahnhof und überlegten uns einen wagen Schlachtplan. Auch wenn das Wetter keine Anstalten machte aufzuhellen, sind Anne, Najda und ich dann doch durch den Nieselregen losgestapft und haben uns die Innenstadt angeschaut. Da es noch dämmerte und keine Geschäfte — nichtmal Cafes — offen hatten, sind wir erstmal auf gut Glück in die Kathedrale von Helsinki gegangen und uns mangels besserer Alternativen dort den Adventsgottesdienst angehört. Das wiederum war ein riesen Glücksgriff! Nicht nur dass der sehr gut besuchte Gottesdienst mit Chor und vielen Liedern sehr schön und festlich war… Als wir aus dem Kirchentor herauskamen war nicht nur der Regen verschwunden — sogar die Sonne, die wir die letzten Tage gar nicht gesehn haben, schien kräftig auf den Senatsplatz herunter!

Nun ging unsere Stadterkundung mit deutlich besserer Laune weiter. Nach einem Kaffee liefen wir erstmal in Richtung Felsenkirche. Auf dem Weg dahin kamen wir an dem Museum für zeitgenössische Kunst, der Oper, und dem Nationalmuseum vorbei. Eine meiner Meinung nach der schönsten Ecken von Helsinki, da sie offener und nicht so zugebaut ist wie das Zentrum selbst.
Die kreisrunde Felsenkirche ist mitten in einem Wohngebiet in einen Felsen eingelassen, den man auch besteigen kann. Auch im Inneren ist sie sehr rustikal gehalten: Einfach direkt in den Felsen gehauen, eine Kuppel aus Bronze und Beton als Deckel drauf und gut ist. Mir gefällt sowas.

Nun gingen wir am Ufer enlang weiter in Richtung Norden, wo man auch viele Jogger sehen konnte. Unser Ziel war das Sibeliusdenkmal, das aus metallenen Rohren besteht und vom Sonnenuntergang bestrahlt wurde. Nach einer kleinen Photosession machten wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt und aßen unser Tagesmahl in einem “all you can eat” – Restaurant im Kamppi, einem riesigen Einkaufzentrum.

Wie gesagt gefällt mir Helsinki sehr gut, auch wenn die Stadt im Sommer bestimmt noch mehr Charme hat und mehr Sonne zwischen die Häuser fällt. Vielleicht verschlägt es mich ja irgendwann nochmal hier hin!?

Auf dem Weg zur Fähre über die Haupt(einkaufs-)Straßen machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Uspenskikathedrale und legten pünktlich um 20 Uhr gen Tallinn ab.

Doch leider gestaltete sich das Anlegen in Tallinn wegen dem rauhen Seegang schwierig. Nach grob einer halben Stunde brach der Kapitän den Vorgang ab und der nächste Versuch sollte erst am Morgen gestartet werden. Also mussten wir auf dem doch recht frischen Schiff übernachten, was mit der Zeit echt kalt und ungemütlich wurde.
Aber zum Glück klappte der nächste Versuch und wir konnten unsere Restreise quer durch das Baltikum ohne weitere Zwischenfälle beenden.

Insgesamt war es eine sehr schöne und eindrucksreiche Reise in einen wirklich extremen Teil der Erde. Ich kann das jedem nur empfehlen, sowas auch einmal mitzumachen — besser früher als später!

Lappland — Huskies und Schneewandern

Am Donnerstag stand der Besuch auf einer Huskyfarm auf dem Programm. Mit 170 sibirischen Huskies war das Gebelle ganz schön groß als wir die grade mal zehn Wochen alten Welpen angeschaut haben, die unter Aufsicht der stolzen Mutter im Gehege spielten. Der Putzigkeitsfaktor war selbstredend sehr hoch und keine Hand blieb unabgeschleckt, wenn man sie denn bei den vorherrschenden -15° durch den Zaun stecken wollte. Es kam auch vor, dass die Zunge eines Junghundes am Eisendraht festklebte.
Die Älteren sprangen meist wild umher in Vorfreude auf den Auslauf, den sie auch bekamen:

Sechs Huskies zogen einen Schlitten mit zwei Passagieren durch einen buckeligen Waldweg über Stock und Stein. So jedenfalls in der Theorie. In der Praxis ging es fast im Schritttempo durch den Wald und der Steuermann war die ganze Zeit damit beschäftigt anzuschieben, während der Passagier die Hunde anfeuerte. Wenn es bergauf ging, musste man teilweise zu zweit anschieben, damit es überhaupt voran ging. Eines der Gespannte wollte auch garnicht arbeiten, was für die Fahrer natürlich besonders enttäuschend war. Trotzdem war es ein Heidenspaß und die Landschaft war sehr malerisch.

Nach der Huskysafari fuhren wir mit dem Bus weiter nach Siida, wo wir uns Schneeschuhe abholten und eine Wanderung zu einer 5 km entfernten Waldkirche unternahmen. Auf einem nur durch Eisenpfosten erkennbaren Pfad gingen wir in der Dunkelheit durch den Wald im 15 cm tiefen Schnee. Die Schneeschuhe waren — bis auf für die, die vorangingen — eher hinderlich als hilfreich, aber trotzdem war es eine schöne Tour um die Ausläufer des Inarisees, die aber nicht so ganz ohne war, wie man bei der vermeinlich kurzen Strecke meinen könnte. Allein sich in der Dunkelheit auf das richtige Auftreten zu konzentrieren verlange einiges ab, zudem waren viele nicht wirklich ausreichend warm angezogen. Ich hatte nur das Problem, dass wegen den Schneeschuhen die großen Zehen zu stark belastet wurden, sodass ich da Blasen bekommen habe.

Auf der Fahrt zurück nach Ivalo sahen wir dann vom Bus aus unsere ersten richtigen Nordlichter. Bei einem Halt konnten wir das riesige grüne Schauspiel direkt über dem Ivalofluss bestaunen und Anne und mir gelang es mit einer Langzeitbelichtung auch einige vielversprechende Aufnahmen zu machen. Man sehen, wie sie wirklich sind, wenn wir sie auf den Rechner überspielen.

Das Nordlicht war jetzt auch hell im Camping zu sehen, aber da wir so ausgehungert waren, wollten wir erstmal essen um danach vom Fluss aus nochmal Ausschau zu halten. Leider war das eine Fehlentscheidung, denn kurz darauf zog ein Nebel auf und man konnte nicht mal mehr die Sterne sehen.
Auch nach länglichem Saunen wurde es nicht besser und so ging der letzte Tag in Lappland zu Ende.

Lappland — Hoch in den Norden

Am Mittwoch stand die große Tour ans Nordmeer an. Früh um sechs standen wir auf, um noch bei Helligkeit ins auf 69 58′ 22” Nord gelegene Bugøynes in Norwegen zu schaffen. Das am Nordpolarmeer gelegene Örtchen hatte am Montag seinen letzten Sonnentag, wo die Sonne ganze neun Minuten über dem Horizont stand.

Auch wenn es eine sehr lange Fahrt duch durchwegs verreiste Straßen war, hat es sich doch gelohnt zu sehen wie die Vegetation spärlicher wird und die Bäume ab ca. 69 Grad aufhören, bzw. eher zu Sträuchern verkommen.
Wir kamen auch an vielen gefrorenen Seen und Flüssen vorbei. Am beeindruckendsten war der Tenojoki, der Grenzfluss zwischen Finnland und Norwegen, dem wir im Verlauf eine gute Weile gefolgt sind. Je nach Talbreite war er als breiter Strom komplett zugefroren, mal brach er zu Packeis auf oder verengte sich sehr stark und wurde dadurch ein reißender Gebirgsfluss.

In Bugøynes angekommen, wehte ein kalter Wind durch die schmalen Straßen und die Dämmerung setzte schon ziemlich ein. An der Kirche und der Schule vorbei gingen wir zum Hafen, wo der Wind das Wasser über das Pier peitschte, sodass dieses komplett vereist war. Daraufhin bestiegen wir den nahe gelegenen Hügel um einen Überblick zu bekommen. Auf drei Viertel der Strecke brachen wir wegen dem eiskalten Wind ab, allerdings reichte es auch schon um den an zwei Buchten gelegenen Ort zu überblicken.

Nach dem Abstieg schauten wir uns im lokalen Supermarkt um, wo unter Anderem auch die Spezialität der Region, die Rote Königskrabbe, feilgeboten wurde.

Zum Abschluss testeten Anne und ich noch die Wassertemperatur der Barentssee, die eigentlich relativ “okay” war. Was ganz und gar nicht schön war, war das Anziehen im Schnee und die Schmerzen in den gefrorenen Füßen und Fingern. Aber wir können von uns sagen, dass wir schon mal im Winter im Arktischen Ozean geplanscht haben — wer kann das schon?

Die Heimfahrt war eher unspektakulär, da es schon pechschwarze Nacht war und dort oben doch wenig Zivilisation vorhanden war. Wir kamen auch noch an der nördlichsten Ortschaft der EU — Nuorgam — vorbei, welche aber im Vergleich zur perfekt sichtbaren Milchstraße eher uninteressant war. Leider zeigten sich aber immer noch keine Nordlichter.

Daheim angekommen sahen wir nach dem Essen auf dem Weg zur Sauna einen kleinen, hellen Schatten am Himmel, bei dem wir uns nicht ganz sicher waren, ob er nicht doch ein Nordlicht sei. Er hatte nicht wirklich eine spezielle Farbe also könnte es auch eine Wolke gewesen sein. Mit den Bildern auf den Postkarten hatte es jedenfalls nicht viel zu tun. Vielleicht Wunschdenken?
Auf jeden Fall gingen wir nach der Sauna noch einmal auf die Jagt und nachdem wir 10 Minuten aus dem Campingplatz rausgegangen waren, sah ich wiederum einen blassen Schweif in mittlerer Distanz über dem Horizont. Gebannt starrten wir ihn minutenlang an, bis wir nach länglicher Diskussion alle überzeugt waren, dass es nur ein Polarlicht sein konnte, da es immer länger wurde und anfing blass grünlich zu schimmern. Kein so imposanter Anblick, wie auf den Postkarten, aber immerhin bestand kein Zweifel mehr daran, dass wir eins gesehn haben!