Letzte Zeit in Litauen

Nach dem Ende der Vorlesungen Anfang Juni kam die Prüfungszeit. Diese war aber wegen der Projekte, in denen es keine schriftliche Abschlussklausur gab doch sehr erträglich.
So besuchte mich mitte Juni auch noch meine Familie. Alle vier flogen sie nach Vilnius und wir verbrachten schöne Tage in der sommerlichen Hauptstadt. Außerdem machten wir noch einen Ausflug nach Nida auf der Kurischen Nehrung. Dort war es wieder einmal sehr schön und es gab ein intessanten Naturschauspiel zu sehen: Mitten am Nachmittag zog von der Ostsee her ein dicker Nebel auf, der sich auf der Nehrung festsetzte jedoch nicht aufs Haff weiterzog.

nehrung

Nachdem meine Familie wieder weg war, beendete ich das Satellitenprojekt, machte noch viele Photos von Vilnius und unternahm mit Nadja eine letze Baltikumsreise.

Tallinn

Von Vilnius aus starteten wir mit dem Nachtbus nach Tallinn, wo wir am frühren Morgen ankamen. Da es genau Sommersonnenwende war, wurde es nicht komplett dunkel und man konnte die ganze Nacht einen lang einen roten Streifen am Horizont erkennen.
Nach unserer Ankunft und kurzem Frühstück liefen wir noch eine Weile durch die Altstadt, bevor die ganzen anderen Touristen in die Straßen strömten. Also gaben wir unser Gepäck im Hostel auf und verbrachten den Vormittag wiederum auf dem Burgberg. Das Wetter war erstklassig und so wurde meine Befüchtung wahr, dass sehr, sehr viel los war. Besonders an den Aussichtsplattformen herrschte großer Andrang.

tallinn

Mittags aßen wir — fast schon traditionell — im “Kompressor” Pfannkuchen. Der Laden ist einfach DER Geheimtipp, fürs Essen in Tallinn!
Am Nachmittag gingen wir im Kadrioru Park spazieren, welcher sehr schön ist. Dort gibt es viele angelegte Beete, ein Schloss und das “KuMu” — KunstMuseum.

Kadrioru

Danach fuhren wir quer durch die Stadt bis zum Zoo, der in der Nähe der anderen Bucht von Tallinn liegt. Da wir noch Zeit hatten, sahen wir erstmal den Vögeln bei Rocca Al Mare beim Fischen zu:

Ich war schon sehr lange nicht mehr in einem Zoo, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, dass die Tiere in Gefangenschaft leben ist der Tallinner Zoo doch ein sehr schöner. Wenn doch nur manche Gehege größer wären! Jedenfalls gab es von klein bis groß allerhand wilde Tiere von Eulen und Adlern über (Eis-)Bären, Löwen, Nashörnen, Elefanten, bis hin zu Schlangen und Krokodilen zu sehen.

loewe

seeloewe

Am Abend sahen wir uns dann noch das WM-Spiel gegen Ghana an und fuhren in der Früh weiter nach Pärnu.

Pärnu

paerni

…ist ein Ostseebadeort auf einer Insel im Süden von Estland. Als “Sommerhauptstadt” von Estland ist alles sehr touristisch geprägt und am Stand steht ein Clubhotel neben dem Anderen. Da das Wetter zunächst nicht ganz so toll war, besichtigten wir nach einem kurzen Besuch am Strand erstmal die Innenstadt und das Museum für moderne Kunst. Dieses war zwar eher klein, dafür aber mit Sonderaustellungen von ukrainischen Künstlern kurzweilig wie aktuell.

paernumeer

Nun war auch das Wetter aufgeklart und wir verbrachten nochmal eine ganze Weile am Strand. Die restliche Zeit am Nachmittag nutzten wir noch für einen weiteren Bummel und einen Cafebesuch, bis wir am Abend den Bus nach Riga nahmen.

Riga

riga

Mein zweites Mal in Riga war wieder von wechselhaftem Wetter geprägt. Zunächst war es jedoch sehr schön und wir schafften schnell unser Zeug ins Hostel um den Sonnenuntergang über der Daugava mitzuerleben. Danach schlürfen wir noch Cocktails in einer kubanischen Bar.

daugava

Am nächsten Tag schliefen wir ein wenig länger und machten nochmal eine große Runde durch die Stadt. Leider kamen wir mittags in einen Wolkenbruch und auch im Laufe des Nachmittags wurde das Wetter nicht viel besser. Also setzten wir uns in ein Teehaus im Park und sahen den Leuten beim Spazierengehen mit Regenschirm zu.

rigapano

Und dann war es auch schon wieder so weit: Der Bus nach Vilnius fuhr ab und vier Stunden später waren wir wieder in der heimischen Stadt, auch wenn wir sie schon ein paar Tage später verlassen sollten. Es war nochmal ein schöner Ausflug, der uns nochmal vor Augen geführt hat, wie preiswert man im Baltikum reisen kann: Für die ganzen Busverbindungen und die Hostels haben wir pro Nase grade mal 80 Euro gezahlt.

Photographing the ISS

iss640

Zur Zeit verläuft der Orbit der International Space Station sehr günstig für Litauen und so habe ich mich letztens in der Nacht aufgemacht und einen ersten Versuch unternommen, die ISS am Nachthimmel zu photographieren.

Auf n2yo.com kann man viele Satelliten tracken und die Überflugszeiten für verschiedene Standorte berechnen lassen.
Also habe ich mich mit meiner Panasonic DMC-G6 und einem Lumix G Vario 14-42mm f/3.5-5.6 II Weitwinkelobjektiv bei einer Blende von f/3.5, 400 ISO und 8 Sekunden Belichtungszeit auf die Lauer gelegt.

Dafür, dass es mein erster Versuch (hier in groß) war bin ich ganz zufrieden. Leider ist eine Aufnahme nicht ausgelöst worden (oben rechts). Vermutlich weil ich einen Fehler bei der Programmierung des Selbstauslösers gemacht habe. Die Bilder habe ich in der Nachbereitung mit GIMP zusammengeschmolzen, wodurch man die Sterne als dunkleren länglichen Striche sieht, da diese sich ebenfalls bewegen. Deutlich wird das in dem Video welches man auf Youtube anschauen kann.

Erstes litauisches Bild aus dem Weltraum

Heute fiel mein Unitag größtenteils flach, da am Nachmittag ein besonderes Event war: Die Enthüllung des ersten litauischen Bildes aus dem Weltraum durch Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė.

room

Der im Januar von der ISS aus gestartete LituanicaSat-1 ist der erste litauische Satellit. Hinter diesem steht eine kleine interdisziplinäre Forschungsgruppe der Universität Vilnius, die an der Informatikfakultät angesiedelt ist. Der grade mal 10x10x10cm große Cubesat hat in den letzten vier Monaten seine meisten Missionsziele erfüllt, wird im Juli beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre aber auch schon wieder verglühen.
Ich bin auch ein wenig involviert, denn ich bin in diesem Semester mit meinem Betreuer Laurynas Mačiulis, dem technischen Leiter des Projektes, an der Implementation von verbesserten Simulationssoftware beschäftigt. Dazu folgt dann “demnächst” aber ein gesonderter Artikel.
Eines dieser Ziele des Satelliten war es ein Photo zu schießen und die Bilddaten zur Bodenstation zu übertragen, was mit Hilfe von Amateurfunkern rund um die Welt auch gelungen ist. Und eben dieses wurde heute von Laurynas und Präsidentin Dalia Grybauskaitė in einer feierlichen Zeremonie der Öffentlichkeit vorgestellt.

rede

Nachdem die Sicherheitsbeamten den gesamten “Weißen Lesesaal” im Obergeschoss der Universitätsbibliothek auf Bomben oder Ähnliches geprüft hatten, trudelten so langsam die Besucher und Pressevertreter ein und postierten sich um die verhüllte Staffelei.
Pünktlich um 15 Uhr kam dann die Präsidentin, der Rektor der Universität Jūras Banys und Projektleiter Laurynas herein, gaben jeweils Reden auf Litauisch und präsentierten schließlich das Photo — live im Staatsfernsehen.
Danach gab es noch weitere Interviews und Smalltalk und dann war der ganze Spuk war auch schon wieder vorbei.

sat

Russland — Moskau

pussyriotchurch
Die letzte Station der Russlandreise führte nach Moskau, wo wir spätabends in unserem Hostel ankamen, schnell auspackten und mit der letzten Metro zur Christ-Erlöser-Kathedrale (aka “Pussy-Riot-Kirche”) fuhren.

kreml

Die Kathedrale selbst ist schon ein imposanter Anblick, wenn man jedoch um sie herum geht, gelangt man auf die Patriarchenbrücke, von der man einen grandiosen Ausblick auf den Kreml hat.
In der anderen Richtung sieht man die riesige Statue von Peter den Großen und den Park der gefallenen Denkmäler.

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Am nächsten Tag zogen wir zu dritt mit Umberto und Amelie auf eigene Faust los und nahmen wiederum die Christ-Erlöser-Kathedrale als Ausgangspunkt um von dort aus an der Moskwa entlang in Richtung Roten Platz zu gehen. Auf dem Weg kommt man am Kreml vorbei und sieht auch die relativ imposanten Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, wie z.B. die Britische Botschaft oder das Hauptquartier von Rosneft, dem größten Energiekonzern der Welt.

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Am Roten Platz waren die Aufbauarbeiten für den Tag des Sieges am 9. Mai schon voll im Gange, was leider auch bedeutete, dass das Leninmausoleum geschlossen war. Also schlenderten wir durchs berühmte Einkaufszentrum GUM, kauften ein paar Postkarten und gingen dann in Richtung Bolschoitheater weiter. Amelie wollte unbedingt eine Führung durch das Gebäude machen, allerdings war diese in genau dieser Woche gecancelled.

uni

aussicht

Nach dem Mittagessen im “Mumu” am Alexandergarten verwarfen wir — als wir die Schlange am Ticketoffice sahen — den Plan den Kreml zu besuchen und fuhren anstelle dessen zur Universität. Diese ist über der Stadt auf den Sperlingsbergen gelegen und ist ein sehr imposantes Hochhaus mit vielen Nebengebäuden. Die Aussicht auf die Stadt ist klasse!

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Als nächstes machten wir noch eine zweistündige Metrosafari, bis wir schließlich am Park des Sieges ankamen und dort die letzten Sonnenstrahlen an den vielen Springbrunnen einfingen.

Am Abend gingen wir nochmal mit den Anderen eine Runde am Roten Platz spazieren und legten uns erschöpft schlafen.

helis

Am letzten Tag gingen wir zunächst in den Kreml. Beim Anstehen für die Tickets wurde uns die Zeit durch eine Parade der Luftwaffe verkürzt. Etliche Helikopter, Bomber, Aufklärungsflugzeuge und Düsenjäger flogen im Tiefflug über unsere Köpfe im Alexandergarten.

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Im Kreml selbst kamen wir gerade pünktlich um eine kleine Parade der Armee auf dem Kathedralenplatz des Kremls zu sehen. Danach besichtigten wir die Kirchen und die weiteren Gebäude des Kremls. Das Highlight sparten wir uns für den Schluss auf: Für weitere 100 Rubel Eintritt besichtigten wir das Diamantenfond, wo neben Unmengen an Gold, Silber und rohen Diamanten auch Schmuck und die mit 5000 Diamanten bestückte Zarenkrone ausgestellt ist. Direkt daneben steht das Reichsszepter mit dem weltberühmten, 189,62 karätigen Orlow-Diamanten.

zwiebelgold

Nach dem Kremlbesuch aßen wir am Alten Arbat Tscheburek, warfen die Postkarten ein und gingen noch so ein wenig spazieren, bis wir am Abend den Bus zurück nach Vilnius nahmen und uns so garnicht auf die 16-stündige Heimfahrt freuten.

Russland — Weliki Nowgorod

In Nordeuropa angekommen, ging ich erst mal mit Umberto auf einen Stadtrundgang: Vom Hotel aus gingen wir am Fluss entlang am Dostojewskitheater vorbei, welches wirklich keine Bauschönheit ist. Eine verlorene Wette, oder zu viel Wodka für den Architekten? Man weiß es nicht.

theater

Doch schon bald kamen wir am Kreml an: Eine lang gezogene Festung mit vielen Türmen und Kirchen im Innenbereich. Südlich vom Kreml steht zudem eine große Reiterstatue, ein Denkmal für den Sieg im Zweiten Weltkrieg.

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Da wir nicht so viel Zeit hatten, gingen wir über die Fußgängerbrücke über die Wolchow, von der aus man nochmal einen guten Blick auf den Kreml und den Jaroslaw-Hof hat. Am Ufer ankert auch die “Fregatte Flagman”, welche aber nur als Restaurant dient und nie seetauglich war.

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Wieder am Hotel zogen wir mit dem Rest der Gruppe los um Abend zu essen. Mit 50 Personen marschierten wir in ein Restaurant, dass daraufhin etwas Schwierigkeiten hatte, alle zu versorgen. So kam es bei meiner Bestellung dazu, dass mir zunächst meine Beilage gebracht wurde, dann nach mehrminütiger Pause das Hauptgericht und zum Schluss die Suppe. Lustig war es dennoch.

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Am nächsten Tag machten wir noch eine kurze Stadtführung mit. Ein sehr von Archäologie besessener älterer Herr zeigte uns die Ausgrabungsstätten rund um den alten Marktplatz, wo einige sehr kleine und alte Kirchen standen.
Im Kreml selbst steht vor der sehr schönen Sophienkathedrale das im Jahre 1862 eingeweihte Denkmal zum 1000 Jährigen Bestehen Russlands mit vielen historisch bedeutenden Persönlichkeiten — allen voran Peter der Große.

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Nowgorod ist eine der ältesten Städte in Russland und kann auf eine reiche, 1156 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Allerdings muss man auch feststellen, dass die Stadt ihren Zenit schon lange überschritten hat. Die ehemalige Hansestadt hat heutzutage außer dem Kreml und einigen kleineren Kirchen eigentlich nicht wirklich viel Spektakuläres zu bieten.

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Russland — St. Petersburg

Nach Ostern geht es schon mit der nächsten Reise weiter: Diesmal mit einer organisierten Reisegruppe nach Russland. Auf dem Programm stehen St. Petersburg, Veliky Novgorod und Moskau.

St. Petersburg

In Vilnius ging es um 15 Uhr mit dem Bus los und den Tag über fuhren wir durch die Baltischen Staaten, bis wir mitten in der Nacht in Narva die EU verließen und nach Russland einreisten. Die 50 Passkontrollen zogen sich ganz schön hin und schlussendlich kam der große Schock: Der russische Grenzbeamte verweigerte unter einem undurchsichtigem Vorwand zwei Mazedonierinnen die Einreise, obwohl Mazedonier normalerweise ohne Visa einreisen können. Wir musste sie erst mal zurücklassen und fuhren weiter nach St. Petersburg, wo wir mit einem Frühstücksbuffet erwartet wurden und nach Beziehen der Zimmer mit der Stadtführung begannen. Die zwei Zurückgebliebenen hatten aber alles richtig gemacht hatten und nachdem sie einige Stunden auf den Schichtwechsel der Grenzer gewartet hatten, konnten sie ebenfalls problemlos einreisen.

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St. Petersburg ist eine relativ junge und eindrucksvolle Stadt an der Mündung der Neva in die Ostsee. Sie wurde grade einmal vor 311 Jahren von Peter dem Großen gegründet und war lange Zeit auch die Hauptstadt im zarischen Russland. Peter, der von der westlichen Architektur sehr begeistert war, holte sich viele italienische, holländische und deutsche Architekten in die Stadt und ließ diese eine Vielzahl an Palästen und Kirchen errichten. So kommt es, dass die ganze Innenstadt voller eindrucksvoller Gebäude ist, auch wenn aufgrund des Zweiten Weltkrieges die wenigsten der Fassaden authentisch geblieben sind.
Ein weiteres Merkmal der Stadt sind die vielen Kanäle, die die Innenstadt durchziehen. Da Petersburg auf Sumpflandschaft gebaut wurde, besteht die Stadt heute aus 42 Inseln und hat unzählige Brücken, die in der Nacht hochgezogen werden, um Schiffsverkehr zu ermöglichen. Zu diesen Zeiten sind ganze Stadtviertel von der Außenwelt abgeschnitten, da die weit unter dem Boden liegende Metro auch nur bis Mitternacht fährt.

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Wir fuhren zunächst mit dem Bus durch die Stadt und sahen uns erste Sehenswürdigkeiten an: Die Isaakskathedrale, die Peter-und-Paul Festung, die Börse und den Nevski Prospekt. Am Nachmittag nahmen wir dann die Metro und fuhren auf gut Glück auf eine der nördlichen Inseln, wo wir aber nicht so viel Erfolg mit Sehenswürdigkeiten hatten, aber noch ein Bier am Ufer eines Nevaarmes trinken konnten.
Später gingen wir noch am Nevski Prospekt spazieren und aßen in einem Sowjetischen Cafe zu Abend.

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Am nächsten Tag gingen wir früh auf die Colonade der Isaakskathedrale, die einer der höchsten Orte der Innenstadt ist. Da die Stadt auf Sumpf gebaut ist, waren die ursprünglichen Gebäude nicht so hoch und es war für Privatleute ohnehin verboten höher zu bauen als der Turm der Peter-und-Paul Festung. Dadurch ist die Aussicht von der Aussichtsplattform nur umso besser, da man weit über die anderen Gebäude sehen kann.

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Als wir wieder unten waren gingen wir an der Admiralität vorbei zum Winterpalast, einem der vier Gebäude der Eremitage. Diese ist ein riesiges Kunstmuseum, mit Ausstellungen von den Ägyptern, Griechen, Römern über die Alten Meister und jüngeren europäischen Künstlern bis hin zu den französischen Impressionisten, die mein persönliches Highlight waren. Insgesamt ist das Museum aber unheimlich anstrengend, weil man gar nicht weiß, wo man hinschauen soll. Allein die Zimmer der Paläste für sich sind so reich geschmückt, dass die Bilder selbst oft einfach untergehen. Außerdem wiederholen sich viele Ausstellungsstücke oft, insbesondere überdimensionierte blaue und grüne Vasen, die überall rumstehen. Auch stehen die Gemälde nur für sich und es gibt praktisch keine Erklärungen die dem Kunstlaien das Besondere vermitteln, wie z.B. im Rijksmuseum in Amsterdam. Schade war auch, dass die Schmucksammlung mit den berühmten Fabergé-Eiern mit unserem Ticket nicht zu besichtigen war.

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Den Nachmittag spazierten wir durch die Stadt und genossen eine ganze Weile lang die Sonne auf dem Marsfeld, bis es dann doch kalt wurde und wir langsam in Richtung Hostel zurückspazierten.
Am Abend gingen wir nach dem Essen noch in die Stadt und ließen den Abend in einer Bar ausklingen.

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Am nächsten Morgen checkten wir aus dem Hostel aus und fuhren zunächst zum Sommerpalast der Zaren etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Dieser stellte den Prunk vom Winterpalast noch einmal deutlich in den Schatten, auch wenn die Restauration nach den Kriegsschäden noch nicht ganz abgeschlossen war und aus Kostengründen nicht alles komplett wiederhergestellt werden konnte. So würden 100kg Gold benötigt um die komplette Fassade des Palastes zu vergolden. Unsere Führung dort ging auch durch den Nachbau des das sagenumwobene Bernsteinzimmer, das in den Kriegswirren verloren gegangen ist. Aber auch hier war es fast unmöglich das Besondere unter dem ganzen restlichen Prunk zu würdigen.

Nach einem Spaziergang durch den weitläufigen Schlossgarten und einem Mittagessen im Vorort Puschkin fuhren wir nach Veliky Novgorod, wo wir am frühen Abend ankamen.

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Polen — Danzig und Umgebung

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Nachdem wir bisher zwei Städte in zwei Tagen besichtigt hatten, ließen wir es die letzten drei Tage in Danzig und Umgebung langsamer angehen.
Wir buchten uns in ein Hostel mit Frühstück zwischen Innenstadt und Bahnhof ein und besichtigten am Dienstagvormittag erst mal die Innenstadt. Auch in Danzig gibt es viele gotische Gebäude zu sehen, mit dem besonderen Highlight Marienkirche, der größte Backsteinkirche der Welt. 25000 Menschen passen da rein! Aber auch die anderen Gebäude wie das Rathaus, die Stadttore und die reich verzierten Wohnhäuser bezeugen die lange Geschichte der reichen Hansestadt. Oft haben die Häuser eigene kleine Aufgänge und viele Regenrinnen sind besonders verziert.

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Am Nachmittag fuhren wir mit der Stadtbahn nach Sopot, einem eingemeindeten Badeort, 12 km von der Innenstadt entfernt. Dort gibt es diverse Hotels und auch einen langen Steg, auf dem der Wind aber ganz schön gepfiffen hat. Trotzdem war es eine schöne Sache endlich das Meer zu sehen!

Nachdem wir gegessen hatten, gingen wir die Strecke am Strand zurück, bis wir bei Breźno in die Tram stiegen und in unser Hostel zurück fuhren.

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Łeba und der Slowinzische Nationalpark

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Am nächsten morgen nahmen wir den Intercity nach Lebork um von dort aus mit dem Bus nach Łeba zu fahren. Łeba ist ein touristisch geprägtes Dorf an der Ostseeküste, direkt neben dem Slowinzischen Nationalpark. Da wir aber noch vor der Saison (ab dem 1. Mai) da waren, hatte allerdings recht wenig geöffnet und im Yachthafen war außer Renovierungsarbeiten und ein paar Anglern auch noch nicht so viel los.
Nach der Ankunft hielten wir uns auch nicht lange auf, sondern gingen gleich in Richtung Lontzkedüne, der größten Wanderdüne an der Ostseeküste, die mit ca. 10m pro Jahr in Richtung Osten wandert und alles unter sich verschluckt. Auf dem Waldweg begegneten uns nur wenige Leute und es dauerte ein wenig mehr als zwei Stunden, bis wir am Ziel ankamen.

baume

Wir ließen den sumpfigen Wald hinter uns und fanden uns nach kurzer Zeit mitten in einer grellen Wüstenlandschaft wieder. Beim Aufstieg konnte man gut sehen, wie die vom Sand verschlungenen Bäume nach und nach absterben, bis wir auf Höhe der Wipfel waren, wo man sogar noch die verdorrten Äste sehen konnte.

picknik
fox

Oben angekommen wollten wir erst mal Mittagessen machen, allerdings hatten wir nach der Taube in Toruń unsere nächste tierische Begegnung der besonderen Art. Kaum hatte ich mein Pizzabrot ausgepackt, war auch schon ein Fuchs zur stelle, der sich bis auf einen Meter an uns heranwagte. Nach 10 Minuten Verhandeln, Verscheuchen und Wegrennen wurde er endlich von den zwei anderen Personen auf der Düne abgelenkt und machte sich schließlich von dannen. Endlich konnten wir essen, uns ein wenig ausruhen und noch ein paar Photos von der Wüstenlandschaft machen.

chillen

Für den Rückweg wählen wir die Route an der Ostsee, was super war. Die Sonne wärmte den Sand unter unseren Füßen, wir hatten leichten Rückenwind und begegneten auf der ganzen Route vielleicht grade mal fünf Menschen. Leider ließen sich auch recht wenige Tiere blicken und unter den unzähligen Steinen am Ufer war auch kein Bernstein für uns dabei. Die Wassertemperatur war leider noch sehr kalt, aber für ein kurzes Fußbad hat es trotzdem gereicht.

duene

Als wir wieder in Łeba ankamen konnten wir grade so den Bus nach Lebork aufhalten, der uns tatsächlich noch mitnahm, sodass wir relativ zeitig nach Danzig heimkamen und am letzten Abend noch in einer ganz coolen Studentenbar waren, die sehr sorgfältig mit Objekten von Danzig und dem Meer dekoriert war.

Letzter Tag in Danzig

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Den letzten Tag gingen wir langsam an und schauten uns noch einmal Danzig an. Wir unternahmen eine Bootstour auf einem Piratenschiff durch den Hafen und besichtigten auch die Westerplatte vor Danzig, wo am 1. September 1939 um 4:48 der erste Schuss des Zweiten Weltkrieges gefallen ist. Noch heute kann man die zerstörten Bunkeranlagen sehen und teilweise sogar betreten.
Außerdem kann man in einer Freilichtausstellung die Ereignisse des tagelangen Kampfes um die Halbinsel nachempfinden und eine große Steinstatue auf einer Erhöhung erinnert an die polnischen Verteidiger.

schwert

Als wir nach zwei Stunden wieder vom Schiff abgeholt wurden und in die Innenstadt zurück fuhren, blieb uns noch ein wenig Zeit bis mein Bus fuhr. Als wir noch in Ruhe zu Abend aßen wurde es dann aber doch nochmal stressig: Anne erhielt einen Anruf das ihr Bus, der drei Stunden später fahren sollte, ersatzlos ausfällt und der Nächste erst in zwei Tagen am Abend fahren würde.
Sie hatte jedoch Glück, denn es gab noch eine Zugverbindung, die sie an diesem Abend nehmen konnte und auch nur zwei Stunden später daheim ankam als wenn sie mit dem Bus gefahren wäre.

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Insgesamt war der Ausflug einer der schönsten, die ich in dem Jahr bisher gemacht habe und hat mein Bild, was ich von Polen hatte nochmal deutlich verändert.

Polen — Toruń

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Die zweite Etappe unseres Ausfluges war Toruń. Von Warschau aus nahmen wir um 9 Uhr den Zug und kamen drei Stunden später in Toruń an. Aus Versehen stiegen wir eine Station zu früh aus, was zunächst zu Orientierungsschwierigkeiten führte, aber im Endeffekt einen schönen Blick auf die Altstadt von der anderen Seite der Weichsel ermöglichte und uns auch ein kleines Abenteuer bei der Überquerung eines Baches bescherte.
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Toruń, die Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus, ist eine sehr schöne, mittelalterliche Stadt mit vielen gotischen Gebäuden und Kirchen. Sie gehörte im Mittelalter zum Hansebund und auch der Deutsche Orden war dort aktiv. Aus dieser Zeit sind allerdings nur noch Burgruinen übrig.
Die Stadtmauern stehen größtenteils noch und auch die Stadttore sind noch gut in Schuss. Insgesamt ist das ganze Stadtbild viel aufgeräumter als in Warschau und es war einfacher sich zurecht zu finden. Die Gassen waren mit vielen kleinen Restaurants und Cafés sehr einladend und oft mit vielen lustigen Figuren bestückt.

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Eines der einprägsamen Ereignisse hatte allerdings weniger mit der Stadt zu tun: Ich stand vor einem Souvenierladen, als eine Taube von irgendwo her abstürzte, mich am Bein streifte, noch ein wenig zuckte und dann verstarb. Sehr gruselig.

planetarium

Nachdem wir aber den größten Teil der Stadt gesehen hatten, nahmen wir den Regionalbus (mit WLAN!) nach Danzig, der letzten Stadt auf unserer Liste.
teutonen