facebook will’s wissen. Bekommt es, und speicherts auch.

Schon in meinem Beitrag am Montag habe ich viel über facebook geschrieben. Die Parallelen zu Google kamen schon auf, als es darum ging, wie diese Unternehmen ihr Geld verdienen. Das Google im Netz omnipräsent ist, ist wohl allen klar. Nachdem Google sich als Suchmaschine #1 im web behauptet hat, lag der Fokus bald darauf, den Kunden weitere Dienstleistungen anzubieten. So wurde Googlemail 2004 gestartet, Google Earth kam 2005, genauso wie der Reader und Analytics. 2006 wurde YouTube gekauft, seit 2007 gibt es Street View. Alles nützliche Apps, aber außer Blogger, das 2003 schon aufgekauft wurde, nichts dabei was mit sozialen Netzen, wie wir sie kennen zu tun hat. Diese Entwicklung wurde schlichtweg verschlafen, hat nicht ins Geschäftskonzept gepasst, oder hat nicht zu der Zielgruppe gepasst, die Google ansprechen wollte. Diesen Februar erst reagierte Google mit Buzz. Zu spät: facebook war mit 400 Millionen registrierten Nutzern schon der alleinige Marktführer. Die Idee hinter Buzz ist, mit dem Google Account das zu machen, was man auch auf den anderen globalen Plattformen tut. Interessante Dinge posten, diese zu kommentieren, die Updates von Anderen verfolgen, private Nachrichten per GMail verschicken. Die Neuerung ist, dass man verschiedene Websites “Verbinden” kann: Das bedeutet, dass im Buzzfeed auch erscheint, wenn man tweetet, neue Photos auf flickr oder picasa hochlädt, oder ein Video auf YouTube kommentiert. Auch gibt es die Möglichkeit im Reader auf “Share” zu klicken, um diesen Eintrag den buzz-Kontakten publik zu machen. Im Mittelpunkt  bleibt aber der Mailaccount.

Jetzt macht facebook das Selbe, was buzz versucht hat, nur andersherum: facebook verfügt über 500 Millionen Nutzer, aber von den restlichen 1,5 Milliarden Internetnutzern hat facebook, im Gegensatz zu offenen (d.h. kein Registrierung nötig) Webangeboten wie Google oder YouTube nichts. Deshalb macht facebook mit der neuen “social-inbox” die Kommunikation zwischen User und Nichtuser möglich. In einem Video auf dem facebook blog wird erklärt wie das geht: Textnachrichten aller Art (Facebooknachricht, Email, SMS) kommen in der neuen “social-inbox” an. Diese sortiert nicht mehr nach Betreff, oder Art der Mitteilung, sondern nur noch nach Absender, bzw. Empfänger. Um SMS empfangen zu können, muss man seine Handynummer angeben, für den Emailempfang hat jeder User die bald die Möglichkeit sich eine eigene Emailadresse name@facebook.com zu erstellen. Empfangene Emails von traditionellen Emailkontakten landen zunächst in dem “other”-Ordner, können aber wenn gewünscht auch in der “social-inbox” angezeigt werden. Warum Facebook nicht gleich einen ganzen Email Dienst anbietet, weiß ich nicht genau, aber wahrscheinlich liegt es daran, dass sie mit diesem “social” Konzept mit den anderen Mailanbietern nicht konkurrieren können, oder wollen.

Das Verbinden der sozialen Kommunikation eine an sich sinnvoll und durchaus coole Sache, aber in der Durchführung von facebook eben nicht: Schon im Video schwärmt der Entwickler von der Möglichkeit seine gesamte soziale Kommunikation sein ganzes Leben lang (und auch danach) auf facebook zu archivieren. ALLE Emails, SMSen und private Nachrichten in die Hände von facebook zu legen, ist Wahnsinn. Wie auf facebook üblich, wird es wohl keine (zuverlässige) Löschfunktion geben, und da Terroristen aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf facebook sind, wird es todsicher Verträge zwischen den Geheimdiensten und facebook geben, dass diese in “dringenden” Fällen der Gefährdung der “national security” auch mal einen Blick auf das Leben des “verdächtigen Terroristen” dürfen. Die Bundestrojaner bekommen zum Nulltarif ebenfalls Leserechte, nur traditionelle Hacker müssen sich noch mühsam durch die “unüberwindlichen” facebook-Firewalls hacken, um Zugriff zu erlangen…

Man stelle sich vor: Alle Texte, die man jemals einer anderen Person geschrieben hat, in den Händen eines einzigen Unternehmens. Und das von mehr als 500 Millionen Menschen.


Wissen ist Macht. Viel Wissen ist mehr Macht.


Wie viel Macht darf ein profitorientiertes Unternehmen heutzutage haben?


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