WikiLeaks vs. OpenLeaks – Eine traurige Geschichte

Die ersten Bücher zu der Thematik werden fertig, und die Verwerfung zwischen Kontrahenten Julian Assange und Daniel Domscheit-Berg werden immer belastender für alle Beteiligten un das geht auf Kosten des Vertrauens und den Leaks und überhaupt… Aber alles der Reihe nach:

Angefangen hat es, wie heutzutage üblich, mit einem Leak: Crpytome veröffentlicht englische Passagen aus Daniels Buch: “Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt.
Netzpolitik.org bloggt das und setzt den Fokus auf die bis dahin neue Information, dass Dokumente, die WikiLeaks aus Mangel an Manpower noch nicht veröffentlicht hat, von den Austeigern um Daniel “mitgenommen haben”. Daniel sagt, er habe das getan, weil nach seinen Aussagen das Rest-WikiLeaks nicht fähig war auf diese weiterhin aufzupassen. (Erst später stellt sich raus, dass der Architekt WL mit Daniel verlassen hatte.) Das führt jedoch zu einer tiefen Spaltung der Gemüter: Die einen sagen Daniel hätte die Dokumente gestohlen, andere dass es wichtig war, dass die potenziellen Leaks geschützt werden. Dabei ist zu beachten, dass Daniel seinen Aussagen nach nicht vor hat diese für Openleaks zu verwenden. Bei dem Ganzen ist zu beachten, dass die englische Übersetzung auf dem von Cyptome veröffentlichten Material missverständlich war und Daniel in den Kommentaren seine deutsche Originalpassage gepostet hat.

Munter weiter geht es im Forbes-Magazin: Kristinn Hrafnsson, ein WL-Sprecher, schickte dem Magazin eine öffentliche Aufforderung die Dokumente zurückzugeben. Parallel wurde der Berliner Anwalt Johnny Eisenberg, der WL in Deutschland vertritt damit beauftragt die Dokumente zurückzuholen, notfalls gerichtlich. In einer Reaktion darauf “zerlegt” Daniel die von Hrafnsson genannte Punkte stichpunktartig:

  • WikiLeaks has not taken legal action. I have received a letter from German attorney Johannes Eisenberg representing Julian that does not mention any law or regulation I have implicated, violated or whatever. It is a mere statement, written in the worst German I ever read, and it is not even spelling my name correctly. I would recommend everyone to watch the BBC Panorama show on WikiLeaks, that is related to that letter.

  • I have never sabotaged WikiLeaks, including its “primary submission system”.
    The overhaul of the system is needed because the owner and developer of that system has decided to no longer allow WikiLeaks to use it, due to the lack of trust in Julian and the way he is “leading” this organisation, and Julian behaving irresponsibly with source material.

  • I never had access to that “primary submission system,” its code, received submissions or whatever. There was a clear separation of duties.
  • I have never claimed to be a programmer, director, founder or architect. I was _a_ spokesperson for the project, not _the_ spokesperson, and have never claimed otherwise. You can check international media that I have handled if you feel my role was restricted to Germany only.
  • I hold two degrees in computer science and worked for around 6 years as a network security engineer. Do you need copies of the degrees?
  • I have never claimed to have had an email address before 2008. I recommend everyone to read the story about Kristinn’s “official” mail account in my book. It seriously is hilarious.
  • I acted as an editor as much as I have an understanding of what an editor’s role is.
  • Heute hat Daniel sein Buch offiziell vorgestellt, ab morgen ist es für satte 18.-€ im Laden zu kaufen. Mal sehen was da tatsächlich so alles drinsteht.

    Hier nochmal eine chronologische Zusammenfassung; auch unter Einbeziehung der bisher verlinkten Artikel:

    Crytome: Excerpts of Daniel Domscheit-Bergs Book
    Netzpolitik.org: Wikileaks-Dokumente wurden an sicheren Ort entführt (2 Updates)
    Netzpolitik.org: Julian Assange fordert über Anwalt Rückgabe von Dokumenten
    Fefe“platzt der Kragen”
    Frank Rieger: Wie man sich selbst lahmlegt
    Forbes: WikiLeaks Fires Back At Defector Over Book Claims
    Netzpolitik.org: Schlammschlacht um Wikileaks geht weiter

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