Japan

// Dieser Artikel ist etwas konfus, und ist eher als Linksammlung zu verstehen.

Livestreams: Al Jazeera, EinsExtra; N24 bringt auch Sondersendungen
Liveblogging: ZEIT, SZ, SPIEGEL, CNN, AntiAtomPiraten, Allgemein Japan: Basler Zeitung

Normalerweise überlasse ich das Schreiben über Tagesnews den Medien und den darauf spezialisierten Blogs. Auch bisher gabs hier keinen Artikel über die Katastrophe in Japan. Erdbeben sind schlimm, aber passieren nunmal und man kann nichts dagegen tun.
Aber wenn durch dieses Erdbeben Atomkraftwerke beschädigt wirft das schon ein ganz anderes Licht auf die Katastrophe.
Am Freitag war der Stand in den Medien so ungefähr: “Es gibt Probleme, aber es wird schon nichts passieren, wir lassen ein wenig Dampf ab und dann wird das schon wieder.” Eine Ausnahme war z.B. dieser reuters-Artikel.
Schon im Laufe des Samstag-Vormittag gab es einige Meldungen, das die Strahlungsbelastung immens zunimmt, und Cäsium und andere radioaktive Abfallprodukte in der Umgebung des Kraftwerks festgestellt werden. Von Spiegel Online:

[11.14 Uhr] Evakuierungszone wird um die Atomanlage von Fukushima auf 20 Kilometer ausgeweitet, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo. Unterdessen hat die Behörde für Nuklear- und Industriesicherheit laut Fernsehsender NHK erklärt, zwei radioaktive Substanzen, Caesium und Jod, seien in der Nähe des Kraftwerkes Fukushima 1 festgestellt worden. Das deute darauf hin, dass einige der Metallbehälter mit Uranbrennstoff zu schmelzen begonnen haben.

Jetzt hat sich eine Explosion im Reaktor 1 ereignet, die bei N24 eigentlich ganz gut erklärt wurde. Dazu verlinke ich mal das Schema von einem Siedewasserreaktor. Und eine sehr ausführliche und lesenswerte Erklärung im Physikblog.
Allerdings dementieren die Japanischen Behörden, dass der Stahlcontainer beschädigt wurde:

The chief Cabinet secretary also told an urgent press conference that the operator, Tokyo Electric Power Co., has confirmed there is no damage to the steel container housing the reactor.
Edano said the 3:36 p.m. explosion resulted in the roof and the walls of the building housing the reactor’s container being blown away.

Diesem Statement wiederspricht grade ein Atom-Experte auf Al Jazeera heftig: Laut seinen Aussagen ist es extrem unwahrscheinlich, dass der Reaktordruckbehälter (der ewähnte “steel container”) noch intakt ist weil sich außerhalb des Drückbehälters garnicht so viel Druck für eine solche Explosion ansammeln könne. Hier ein Vorher-Nachher-Bild vom Reaktor 1.
Reuters hat mehrere Nuklear-Physiker zu den Folgen befragt, aber die wiedersprechen sich, außerdem ist die Informationslage dünn.

Anscheinend tritt aktuell nicht mehr Strahlung auf als davor, aber das sind alles unbestätigte Regierungsangaben.
Was bei einer Kernschmelze passiert, erklärt die ZEIT.

Der ehemalige Chef der Atomaufsicht in Deutschland, Wolfgang Renneberg hat sich in der Tiroler Tageszeitung zu den Berichten geäußert:

„Das ist das klassische Szenario, das den sogenannten Super-GAU umschreibt“, sagte Renneberg am Samstag im Gespräch mit Reuters. Eine Kühlung des Reaktors sei offenkundig nicht mehr möglich, die Batterien zur Versorgung des Systems müssten am Samstag früh erschöpft gewesen sein.
(…)
Japan bliebe offenkundig nur noch der Katastrophenschutz wie Evakuierungen oder das Verteilen von Jod-Tabletten. „Das sind aber keine Maßnahmen mehr, um den Reaktor zu kontrollieren.“

Und DAMIT DAS NOCHMAL KLAR IST: Das Gerede, dass Deutschland niemals betroffen sein kann, möchte ich mit dieser Karte wiederlegen:
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Markiert sind die Stellen an denen Atomstaub von der Tschernobyl Katastrophe nachgewiesen wurde.

16:30 Ich setze das livebloggen aus, da es derzeit kaum neuen Erkenntnisstand gibt, und die Meldungen immer widersprüchlicher werden. Mir scheint als ob sogar die etablierten Medien den Überblick schon längst verloren haben. Was wichtig wäre, ist dass Homepages wie z.B. die von Greenpeace gemirrort werden, damit Infos von Experten abgerufen werden können.

One Comments

  1. […] ich mitten im Abitur etliche Zeit “verplämpert” habe die aktuellen Ereignisse in Japan und Libyen zu verfolgen, sind diese Themen eine Woche später für mein Nachrichtenbedürfnis […]

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