Photojournalisten in Libyen getötet (Update)

HetherigntonDiesen Donnerstag ist der britische Kriegsphotograph Tim Hetherington zusammen mit dem Pulizer-Preisträger Chris Hondros in Misrata unter Feuer geraten und von einem mutmaßlich von Gaddafitreuen Truppen abgefeuerten RPG-Geschoss tödlich verletzt worden. Es macht mich sehr traurig, dass ich erst durch den Tod Hetheringtons auf seine Kriegsdoku “Restrepo” aufmerksam wurde. Im Film begleiten er und Sebastian Junger als “embedded journalists” ein US-Platoon in das Korengal-Tal in Afghanistan, welches eine Hochburg der Taliban ist. Der Hauptfokus liegt dabei auf einer kleinen Gruppe von 15 Soldaten, die einen Außenposten errichten, während sie regelmäßig unter Beschuss geraten – die Reporter mittendrin.
Was soll man davon halten? Unbewaffnete Zivilisten, die aus Kriegsgebieten der restlichen Welt die Lage berichten? Eigentlich eine wichtige Aufgabe, denn sonst gibt es frei nach Winston Churchill “History is written by the victors.” – “Geschichte wird von den Siegern geschrieben” am Ende gar keine Wahrheit.
Doch wo kann man die Linie ziehen? Als der bayerische Fernsehjournalist und Blogger Richard Gutjahr am 30. Januar 2011 auf eigene Faust nach Kairo aufbrach um das revolutionsbedingte Nachrichtenvakuum in der abgeriegelten Stadt zu durchbrechen, warfen ihm viele Selbstinszenierung und Profitstreben vor. Zwar ist er ein erfahrener Journalist und hat auch Trainings zur Kriegsberichterstattung absolviert, aber wie man sieht hilft das beste Training nicht, wenn ein Krieg ein Land in Chaos stürzt. Nun ist Richard Gutjahrs Trip gut verlaufen und er er konnte sich im Nachhinein als eine neue Art Journalist feiern lassen und Thesen zur Zukunft des Fernsehens aufstellen.
Doch was wäre gewesen, wenn er nicht zurückgekommen wäre? Was wäre dann in der deutschen Medienlandschaft los gewesen? Gibt es überhaupt Deutsche, die so nah an die Gefahr rangehen, wie die Getöteten? Wie könnte man angesichts von mehr als 50 getöteten US-Soldaten im Korengal-Tal den Tod eines freiwilligen Journalisten verantworten? Wie viel ist die Geschichte, die der Kriegsreporter erzählt, in Relation zu seiner Unversehrtheit wert?

Nachtrag 25. April:
Unbedingt auch diesen Artikel “The fatal touch of war” über Chris Hondros aus der Boston Globe lesen.

3 Comments

  1. In einer Zeit, in der fast jeder Kämpfer sein Handy mit eingebauter Kamera hat sind Kriegsreporter ein gefährlicher Anachronismus. Die Wenigsten liefern unabhängigen Journalismus und da kann man sich dann auch auf die Storys der wirklich Beteiligten verlassen.

  2. Das sehe ich nicht so. Von einem ausländischen Journalisten kann mehr Unabhängigkeit erwarten als von einem ideologisch geprägten Soldaten.

  3. ..und er er konnte sich im..
    nur einmal er ;)

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