Berg der Kreuze und Šiaulai

Letztes Wochenende war ich wieder unterwegs, diesmal kein Nationalpark, dafür ein Nationalheiligtum. Am Samstag ging es mit Anne nach Šiaulai, der viertgrößten Stadt Litauens. Nach 2,5 Stunden Zugfahrt kamen wir an und nahmen gleich den nächsten Bus zum Berg der Kreuze.  Berg ist dabei eher eine Übertreibung — im Endeffekt ist es eher ein kleiner Hügel 12 km von Šiaulai entfernt in Mitten von Feldern.
Der Ort ist allerdings sehr eindrucksvoll, denn seit langen Zeiten stellen die Litauer dort Kreuze auf. Aber nicht nur ein paar, sondern Hunderttausende kreuz und quer. Insbesondere während der Sovjetzeit wurde die Stätte ein Symbol der nationalen Identität, als sie auf Geheiß des Zentralkomitees zerstört wurde, die Anwohner allerdings noch in der selben Nacht neue Kreuze aufstellten und sich auch nach mehreren Versuchen den Ort dem Erdboden gleichzumachen nicht unterkriegen ließen.

Wir haben es uns natürlich auch nicht nehmen ein kleines Kreuz mit einem kurzen Gruß — leider ist uns wegen des Zeitdrucks nichts originelleres eingefallen — aufzustellen.

cross

Nachdem wir in höchster Eile zur 1.5 km entfernten Bushaltestelle gejoggt waren stellte sich leider heraus, dass ich mich im Busplan verschaut hatte und der nächste Bus erst in 1.5 Stunden kommen würde. Nach einigen vergeblichen Versuchen zu Trampen, beschlossen wir doch so langsam gen Stadt loszumarschieren. Also wanderten wir entlang dem Fahrradweg, wo man am Horizont den Turm der Kathedrale erkennen konnte. Keine guten Aussichten für weitere Sehenswürdigkeiten, aber immerhin würden wir den Zug um 19 Uhr erwischen…

Nach ca. 2 km kamen wir an einem Feldweg vorbei, wo in der Ferne ein Auto zu sehen war, das in unsere Richtung kam. Ich dachte mir, dass es auf die Minute jetzt auch nicht mehr ankommt und so warteten wir, bis es bei uns an der Abbiegung war. Und tatsächlich: Er blieb stehen und nahm uns die restlichen 10 km nach Šiaulai mit!

Durch die gewonnene Zeit konnten wir uns die Sehenwürdigkeiten ansehen. Der Reiseführer hatte zwar prophezeit, dass die Stadt keine “besonderen” Highlights zu bieten habe, aber ein wenig haben wir uns dann doch umgeschaut:

Die Kathedrale ist außen wir innen sehr schlicht gehalten und fällt vor allem durch den hohen Turm auf, den man von weit außerhalb der Stadt sehen kann.

Es gibt ein Fahrradmuseum, welches das wir allerdings nicht besichtigten. Zum Probesitzen hats dennoch gereicht. (:

Das Wahrzeichen der Stadt ist ein goldener Bogenschütze in einem Park, der etwas nach Antike anmutet.

Von dort kann man durch einen Friedhof zu einem See gehen, der von einen überdimensionerten Metallfuchs bewacht wird.

Nach dem kleinen Rundgang gingen wir noch schnell etwas essen, bevor wir Titas am Bahnhof trafen und wieder nach Vilnius zurückfuhren. Titas ist mit mir in der Projektgruppe und fuhr schon am Samstag Abend aus der Heimat zurük, um am Sonntag eine Tour mit dem Vilnius University Hiking Club zu unternehmen. Das klang ganz interessant und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag am Busbahnhof.

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