Ein Monat Litauen

Jetzt bin ich schon einen ganzen Monat hier, vielleicht ein guter Zeitpunkt um ein erstes Resümee zu ziehen und meine mittlerweile etwas gefestigteren Eindücke zu schildern.

Vorweg: Ich bin unglaublich froh hier gelandet zu sein und nicht wie ursprünglich geplant in einer britischen oder skandinavischen Kleinstadt. In Vilnius ist viel los und man wird an vielen Ecken mit etwas Neuem überrascht. Man merkt einfach das es eine EU-Hauptstadt ist — mit allem was dazugehört: Konzerte, Festivals, Museen, Austellungen… von Parties und den abendlichen Möglichkeiten gar nicht zu sprechen, die von den meisten ERASMUS-Studierenden natürlich stark wahrgenommen werden.

Auch ist die Cafeszene sehr angenehm: Oftmals sind sie eine Symbiose aus Buchladen und Cafe mit ausgepolsterten Schaufenstern, wo man sehr gemütlich verweilen und im Internet surfen kann.

Das Bezahlen in Restaurants läuft übrigens folgendermaßen ab: Man lässt sich die Rechnung (meistens ins einem kleinen Schächtelchen) bringen, bezahlt und kriegt das Rückgeld wieder gebracht. Danach kann man sich überlegen, wie viel Trinkgeld man geben will, was allerdings auch außerhalb von Studierendenkreisen nicht sonderlich viel ist. Normalerweise zwischen 5 und 10%.

Wie ich es bisher sonst nur aus den skandinavischen Ländern kannte, sind Unisextoiletten in Gaststätten, aber auch in der Uni nicht unüblich.

Der Transport ist hier (wie das Meiste) sehr günstig: Das Monatsticket für alle Arten von Bussen in Vilnius kostet 20 Litas, und man kommt mit Reisebussen oder mit der Bahn für ca. 10-15 Euro praktisch an jeden Fleck des Landes. Auch international muss man wenn man genug Zeit hat nicht sehr viel hinblättern: Wenn man ca. einen Monat im Voraus bucht, kommt man für 23 Euro nach Talinn, nach Riga für 11, nach Petersburg für 32, nach Minsk für 13 und nach Berlin für 36.

Der Nationalsport ist mit großem Abstand Basketball vor Fußball. Zur Zeit der Basketball-Europameisterschaft fieberte das ganze Land mit, wie man es in Deutschland nur vom Fußball her kennt und die Litauer werden nicht müde zu betonen, wie stolz sie als so kleines Land auf die Silbermedallie sind. Leider habe ich noch keinen Handballverein für mich gefunden, bin aber noch auf der Suche.

Von der Sprache her ist es vor allem auf dem Land mit Englisch nicht immer leicht durchzukommen. Grob gesagt sprechen die meisten jungen Leute Englisch, während man es bei Älteren besser mit Russisch versuchen sollte. Oft hört man auch, dass in Restaurants und in den Supermärkten die Angestellten Russisch untereinander reden. Was da der Grund ist, weiß ich auch noch nicht. Eine Ausnahme war Klaipeda und die Kurische Nehrung, wo man auch mit Deutsch etwas anfangen hätte können.

An der Mathe- und Informatikfakultät werden die Kurse für ERASMUS-Studierende außerhalb des normalen Lehrbetriebes angeboten. Wir sind Gruppen von 2-5 Studierenden, und bekommen in unterschiedlichen Modi Unterricht:
Die eine Möglichkeit ist, das wir Anhand von einem Script oder eines Buches den Stoff selbstständig erarbeiten, dann mit den Professoren besprechen und wöchentlich Hausaufgaben dazu anfertigen, die teils auch bewertet werden.
In dem Projekt (welches mit Litauern zusammen ist) gibt es Präsenzzeiten, in denen in der großen Gruppe Konzepte und Herangehensweisen besprochen werden, während wir die meiste Zeit in der Kleingruppe unser Projekt voranbringen. Dazu werde ich ein anderes Mal noch ausführlicher schreiben.
Es gibt aber auch das übliche Bamberger Modell, wo es neben der regulären Vorlesung freiwillige Übungsaufgaben zu bearbeiten gibt.

Das Internet in Litauen ist übrigens echt fix… Leider wird diese Euphorie durch Portsperren im Wohnheim und in den normalen Bibliotheken etwas relativiert. An der Informatikfakultät ist jedoch alles offen und man sieht viele Kommilitonen in Zwischenstunden Computerspiele zocken. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass Litauen EU-Weit führend in Sachen Glasfaseranschlüssen ist.

Was auch sehr krass ist, dass die Heizungen sowohl im Wohnheim, als auch in den Unis zentral und unabhängig von der Wetterlage an einem festgelegten Datum (angeblich heute, am 1.10.) angeschaltet werden. Nachdem es in den letzten 1.5 Wochen sehr abgekühlt hat, war ich zuletzt mit mindestens zwei Pullovern und teilweise noch mit einer Jacke drüber in der Bibliothek, habe aber trotzdem noch gefroren. Mal schauen, ob der Oktober das Besserung bringt!

Soviel für jetzt, ich freue mich sehr über Emails und die Kommentarfunktion ist auch nicht zum natürlich Spaß da (ja das war ein Wink mit dem Zaunpfahl! (: ).

4 Comments

  1. Vielen Dank fürs Bloggen. Bin echt neidisch, vor Allem weil es bei mir ja (erstmal) nicht geklappt hat.

    Soweit ich weiß wurden in der Sowjetunion übrigens relativ viele Russen ins Baltikum umgesiedelt.

  2. Ja das ist bei Dir echt blöd gelaufen. Es wird aber bestimmt noch Möglichkeiten geben.

    Wegen den Russen scheinst Du Recht zu haben: http://en.wikipedia.org/wiki/Russians_in_Lithuania

  3. Lieber Linus,

    habe gerade ein bisschen in Deinem Blog herumgelesen. Ich hoffe, Du kannst die Zeit in Litauen weiter genießen und die zentrale Heizung wurde inzwischen eingeschaltet!?
    Ich war am 5.9. mit dem Schiff (Ostsee-Reise mit meiner Mutter) für ein paar Stunden in Kleipeda. Wir haben auch einen Ausflug auf die Kurische Nehrung bis nach Nida gemacht (das Thomas-Mann-Haus dort scheint Ihr ausgelassen zu haben?!).
    Ich hoffe, Du hast die Schlaglöcher-Straße von der Fähre bis Nida ohne Magenprobleme überstanden!!! In Kleipeda hatten wir doch den Eindruck, dass es für Litauen nicht ganz einfach ist, die vergangenen Zeiten wirtschaftlich aufzuholen (Bausubstanz…).
    Mit Trampen wäre ich dort als “reicher” Deutscher ehrlich gesprochen etwas vorsichtig.
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit mit Deinen anderen Erasmus-Studenten!
    Wirst Du Weihnachten dort bleiben?

    Viele Grüße aus Nürnberg

    Connie

  4. Hallo Connie,
    danke für den Kommentar! Stimmt, das Thomas Mann Haus haben, wir in der Tat ausgelassen, dafür waren wir länger am Strand. Man soll sich ja auch was für die nächste Reise aufheben (:

    Trampen haben wir an diesem Wochenende für eine kürzere Strecke ausprobiert und hat ganz gut geklappt. Den Bericht dazu schreibe ich dann die Tage!

    Wegen Weihnachten werde ich mich diese Woche entscheiden. Ist ein wenig ein Hin- und Her wegen diverser Deadlines für Projekte und natuerlich die Klausuren, die teilweise Anfang Januar anstehen.

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