Lappland — Hoch in den Norden

Am Mittwoch stand die große Tour ans Nordmeer an. Früh um sechs standen wir auf, um noch bei Helligkeit ins auf 69 58′ 22” Nord gelegene Bugøynes in Norwegen zu schaffen. Das am Nordpolarmeer gelegene Örtchen hatte am Montag seinen letzten Sonnentag, wo die Sonne ganze neun Minuten über dem Horizont stand.

Auch wenn es eine sehr lange Fahrt duch durchwegs verreiste Straßen war, hat es sich doch gelohnt zu sehen wie die Vegetation spärlicher wird und die Bäume ab ca. 69 Grad aufhören, bzw. eher zu Sträuchern verkommen.
Wir kamen auch an vielen gefrorenen Seen und Flüssen vorbei. Am beeindruckendsten war der Tenojoki, der Grenzfluss zwischen Finnland und Norwegen, dem wir im Verlauf eine gute Weile gefolgt sind. Je nach Talbreite war er als breiter Strom komplett zugefroren, mal brach er zu Packeis auf oder verengte sich sehr stark und wurde dadurch ein reißender Gebirgsfluss.

In Bugøynes angekommen, wehte ein kalter Wind durch die schmalen Straßen und die Dämmerung setzte schon ziemlich ein. An der Kirche und der Schule vorbei gingen wir zum Hafen, wo der Wind das Wasser über das Pier peitschte, sodass dieses komplett vereist war. Daraufhin bestiegen wir den nahe gelegenen Hügel um einen Überblick zu bekommen. Auf drei Viertel der Strecke brachen wir wegen dem eiskalten Wind ab, allerdings reichte es auch schon um den an zwei Buchten gelegenen Ort zu überblicken.

Nach dem Abstieg schauten wir uns im lokalen Supermarkt um, wo unter Anderem auch die Spezialität der Region, die Rote Königskrabbe, feilgeboten wurde.

Zum Abschluss testeten Anne und ich noch die Wassertemperatur der Barentssee, die eigentlich relativ “okay” war. Was ganz und gar nicht schön war, war das Anziehen im Schnee und die Schmerzen in den gefrorenen Füßen und Fingern. Aber wir können von uns sagen, dass wir schon mal im Winter im Arktischen Ozean geplanscht haben — wer kann das schon?

Die Heimfahrt war eher unspektakulär, da es schon pechschwarze Nacht war und dort oben doch wenig Zivilisation vorhanden war. Wir kamen auch noch an der nördlichsten Ortschaft der EU — Nuorgam — vorbei, welche aber im Vergleich zur perfekt sichtbaren Milchstraße eher uninteressant war. Leider zeigten sich aber immer noch keine Nordlichter.

Daheim angekommen sahen wir nach dem Essen auf dem Weg zur Sauna einen kleinen, hellen Schatten am Himmel, bei dem wir uns nicht ganz sicher waren, ob er nicht doch ein Nordlicht sei. Er hatte nicht wirklich eine spezielle Farbe also könnte es auch eine Wolke gewesen sein. Mit den Bildern auf den Postkarten hatte es jedenfalls nicht viel zu tun. Vielleicht Wunschdenken?
Auf jeden Fall gingen wir nach der Sauna noch einmal auf die Jagt und nachdem wir 10 Minuten aus dem Campingplatz rausgegangen waren, sah ich wiederum einen blassen Schweif in mittlerer Distanz über dem Horizont. Gebannt starrten wir ihn minutenlang an, bis wir nach länglicher Diskussion alle überzeugt waren, dass es nur ein Polarlicht sein konnte, da es immer länger wurde und anfing blass grünlich zu schimmern. Kein so imposanter Anblick, wie auf den Postkarten, aber immerhin bestand kein Zweifel mehr daran, dass wir eins gesehn haben!

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