Polen — Warschau

In der Karwoche ist an litauischen Universitäten vorlesungsfreie Zeit, die ich nutzte um mit Anne aus Cottbus eine Rucksacktour durch Polen zu machen. Mit Anne habe ich schon letztes Semester öfters Ausflüge unternommen und so bot es sich an, sich in der “Mitte” auf ein Wiedersehen zu treffen, da sie nur ein Semester hier in Vilnius studiert hat.
Die Busverbindungen spielten uns in die Karten und so kamen wir am Palmsonntag mit grade mal fünf Minuten Verzögerung um ca. halb 7 morgens in Warschau an.

kulturpalast

Ohne besonderen Plan gingen wir am Kulturpalast vorbei in Richtung Innenstadt, wo wir durch ein riesiges Transparent darauf aufmerksam gemacht wurden, dass heute der Warschauer Marathon stattfand.
Als erstes Ziel hatten wir das Weichselufer, was allerdings gar nicht so einfach zu finden war, da das Straßensystem nicht wirklich übersichtlich ist und durch Bauarbeiten an der Metro auch einige Wege versperrt waren. Wegen der fast kompletten Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg ist das Stadtbild ziemlich inhomogen und traditionelle Stadtviertel sind nicht so erkennbar, wie man es aus anderen europäischen Städten kennt.

chopinhaus

So gingen wir mit den letzten Partygängern durch die leeren Straßen, bis wir vor dem Frédéric-Chopin-Haus standen. Hier hatte sich auch das Stadtbild geändert: Während in Bahnhofsnähe eher Hochhäuser mit Glasfassaden stehen, sind die Gebäude hier in der Umgebung der sowjetischen Ära zuzuordnen.
An der Weichsel angekommen, warfen wir zunächst einen Blick auf die andere Seite der Ufers mit dem Nationalstadium und gingen dann weiter, bis wir am Park des Königsschlosses waren. Von dort gelangten wir über Stufen zum Schlossplatz, wo wir so langsam hungrig wurden und begannen uns ein Café zu suchen. Das war leichter gesagt als getan an einem Sonntag vor 8 Uhr. Nachdem wir doch noch eine ganze Weile auf der Krakowskie Przedmieście entlanggelaufen waren, fanden wir doch ein ganz nettes Café zum Frühstücken. Blaubeermuffins und Kaffee.

legionaer

Gestärkt ging es weiter, doch schon bald trafen wir auf die Marathonstrecke kurz nach dem Start, wo wir zwar die Spitzengruppe verpassten, dafür aber einen großen Teil der Hauptfeldes vorbeilaufen sehen konnten. Unter den Läufern waren auch einige ganz schön schräge Vögel!
Als auch die letzten Nachzügler durch waren, setzten wir unseren Weg in Richtung Regierungsviertel fort. Dort waren neben dem Parlament und der Präsidentenkanzlei viele Verwaltungsgebäude, Auslandsvertretungen und ein Protestcamp zu sehen.

Als wir dann wieder an der Laufstrecke ankamen, folgten wir dieser in Richtung Ziel und nach ca. einer halben Stunde holten uns die ersten Läufer auch schon ein. Bei der Świętokrzyski-Brücke, 2,5km vor dem Ziel feuerten wir noch einige Läufer zum Schlussspurt an, bis wir dann doch in Richtung Altstadt weitergingen.
In der Altstadt gibt es einige sehr sehenswerte Häuser und wiedererrichtete Befestigungsanlagen. Kein Wunder, dass mittlerweile auch viele anderen Touristen unterwegs waren. Zu Mittag aßen wir Pierogi, die typisch polnischen Teigtaschen, die es aber eigentlich überall im Baltikum und auch in Russland gibt.

blumen

Am Nachmittag war in der Stadt auch ohne den Marathon viel los. Am 10.4. jährte sich der Flugzeugabsturz von Maria und Lech Kaczyński zum vierten Mal und viele legten vor dem Präsidentenpalast Blumen nieder.
Auch stießen wir auf eine Prozession mit Leuten in alten Militäruniformen, der wir kurzentschlossen folgten. Diese hatte das Denkmal des Warschauer Aufstandes als Ziel, wo ein netter, älterer Herr uns erklärte, das es um das Gedenken von durch Russen ermordete, polnische Reserveoffiziere ging.

denkmal

Wir versuchten auch einige Kirchen zu besichtigen, was sich aber als eher kompliziert herausstellte, da ständig Gottesdienste gefeiert wurden. In der St. Annenkirche hatten wir allerdings Glück, denn dort fand ein Chorkonzert statt. Eine willkommene Abwechslung und Erholung, schließlich waren wir seit halb 7 auf den Beinen und hatten in den Bussen auch nicht sonderlich gut geschlafen.
Allgemein waren alle Kirchen sehr voll und es gab ein ziemliches Kommen und Gehen. Außerdem konnte man überall auf Andenken an Johannes Paul II in Form von Inschriften, Statuen und Bildern treffen.

Am Abend checkten wir im Hostel ein, gingen noch auf ein Getränk in die Stadt und legten uns erschöpft schlafen, denn am nächsten Tag sollte es schon in der Früh nach Toruń weitergehen.

stadion

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