Ausflug nach Druskininkai

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Diesmal läutete ich das Wochenende ein wenig früher ein und fuhr schon am Freitag in der Früh wiederum mit Anne nach Druskininkai. Das überschaubare Örtchen ist der mit Abstand das touristischste, das ich in Litauen gesehen habe. Mit rund 20000 Einwohnern und zahlreichen Hotels ist der Kurort so ziemlich DER Ort, wo die reichen Litauer zum Ausspannen hinfahren, was man alleine schon an den dicken Autos erkennen konnte. Neben einem Golfplatz und Kletterpark sind die Hauptattraktionen der Aquapark und die ganzjährig geöffnete Indoor-Skiarena.

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Nach einer zweistündigen Fahrt in den Südwesten Litauens machten wir erstmal einen Spaziergang um die Stadt herum: An zwei Seen vorbei, der Biegung des Nemunas folgend umrundeten wir die Stadt um schließlich auf der Ostseite der Stadt die unzähligen Parkbänke an der Uferpromenade zu bestaunen (und natürlich die ganzen Hotels, die eins neben dem Anderen hingepflanzt wurden).

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Im Stadtzentrum selbst gab es noch zwei Kirchen, die beide ganz schön waren — die Orthodoxe war leider noch im Endstadium von Restaurationsarbeiten.

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Am Nachmittag gönnten wir uns noch 2,5 Stunden im Aquapark, der gar nicht so schlimm von Rentnern übervölkert war, wie ich befürchtet hatte.

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Nach diesem schönen Herbsttag blieb in der Stadt nicht mehr viel zum Anschauen über und wir nahmen den nächsten Bus zurück in der Hoffnung auf der Fahrt noch ein paar Elche in der Dämmerung zu sehen. Leider hat sich doch keiner Blicken lassen.

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Eine Wanderung durchs Medininkai-Hochland und auf den höchste Berg Litauens

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Sonntag in der Früh hatten wir noch keine Ahnung, wo es eigentlich hingehen sollte (und vor allem wie lang der Trip gehen sollte!?), da Titas es am Vortag selbst noch nicht genau wusste. Also deckten wir uns großzügig mit Essen ein und waren auf alles zwischen 10 und 30km gefasst. Mit zwei gemieteten Bussen fuhr unsere Truppe von 23 Studierenden, Dozenten und Alumnis in ein kleines Dorf, in der Nähe der Weißrussischen Grenze. Allein schon die Fahrt dahin war sehr abenteuerlich, da schon 2 bis 3km nach Verlassen der Stadt LKWs auf dem Seitenstreifen auf die Einreise nach Weißrussland warteten. Weitere 10 km weiter erweiterte sich die Warteschlange auf zwei Spuren und der Busfahrer war gezwungen auf der Gegenfahrbahn weiterzufahren. Der Gegenverkehr, der zum Glück sehr spärlich war, musste nun auf den Standstreifen ausweichen.
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Als wir dann irgendwann abbogen, endete bald die geteerte Straße und wir kamen an unserem Ausgangspunkt für die Wanderung an. Wo das genau war? Keine Ahnung!

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Unser Führer Tadas, ein älterer Mann mit weißem Bart und Haar, machte uns auf die Besonderheiten im Dorf aufmerksam, z.B. welche Häuser authentisch sind oder das blaue Fensterrahmen bedeuten, dass die Bewohner Weißrussen sind.
Während wir auf einen Kumpel von unserem Führer warten, vertrieben wir die Kälte und Müdigkeit durch Singen und Volkstänze. Schließlich ging es los und wir wanderten wortwörtlich querfeldein durch die Gegend.

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Das Wandern ging mit vielen Pausen ganz gemütlich weiter, bis wir am Nachmittag das erste nennenswerte Zwischenziel, den Aukštojas-Hügel erreichten. Wir mussten schon zwei mal nachfragen, aber der 293,70m über n.N. gelegene Hügel ist tatsächlich die höchste Erhebung des Landes. Nach den abertausenden Kreuzen am Vortag, gleich der nächste Superlativ!

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Nicht viel weiter entfernt war das Dorf Medininkai mit einer Burgruine. Dort fand ein Volksmusikkonzert statt und man konnte eine Ausstellung in dem restaurierten Turm besichtigen. Von der Aussichtsplattform aus konnte man recht weit ins Umland schauen, insbesondere ins grade mal 1.5km entfernte Weißrussland.
Nach dem obligatorischen Gruppenphoto fuhren wir diesmal nur noch mit einem 16-Sitzer Bus, was angesichts der 23 + 1 Personen in Deutschland vermutlich undenkbar wäre, hier in Litauen allerdings niemanden wirklich juckte.

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Berg der Kreuze und Šiaulai

Letztes Wochenende war ich wieder unterwegs, diesmal kein Nationalpark, dafür ein Nationalheiligtum. Am Samstag ging es mit Anne nach Šiaulai, der viertgrößten Stadt Litauens. Nach 2,5 Stunden Zugfahrt kamen wir an und nahmen gleich den nächsten Bus zum Berg der Kreuze.  Berg ist dabei eher eine Übertreibung — im Endeffekt ist es eher ein kleiner Hügel 12 km von Šiaulai entfernt in Mitten von Feldern.
Der Ort ist allerdings sehr eindrucksvoll, denn seit langen Zeiten stellen die Litauer dort Kreuze auf. Aber nicht nur ein paar, sondern Hunderttausende kreuz und quer. Insbesondere während der Sovjetzeit wurde die Stätte ein Symbol der nationalen Identität, als sie auf Geheiß des Zentralkomitees zerstört wurde, die Anwohner allerdings noch in der selben Nacht neue Kreuze aufstellten und sich auch nach mehreren Versuchen den Ort dem Erdboden gleichzumachen nicht unterkriegen ließen.

Wir haben es uns natürlich auch nicht nehmen ein kleines Kreuz mit einem kurzen Gruß — leider ist uns wegen des Zeitdrucks nichts originelleres eingefallen — aufzustellen.

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Nachdem wir in höchster Eile zur 1.5 km entfernten Bushaltestelle gejoggt waren stellte sich leider heraus, dass ich mich im Busplan verschaut hatte und der nächste Bus erst in 1.5 Stunden kommen würde. Nach einigen vergeblichen Versuchen zu Trampen, beschlossen wir doch so langsam gen Stadt loszumarschieren. Also wanderten wir entlang dem Fahrradweg, wo man am Horizont den Turm der Kathedrale erkennen konnte. Keine guten Aussichten für weitere Sehenswürdigkeiten, aber immerhin würden wir den Zug um 19 Uhr erwischen…

Nach ca. 2 km kamen wir an einem Feldweg vorbei, wo in der Ferne ein Auto zu sehen war, das in unsere Richtung kam. Ich dachte mir, dass es auf die Minute jetzt auch nicht mehr ankommt und so warteten wir, bis es bei uns an der Abbiegung war. Und tatsächlich: Er blieb stehen und nahm uns die restlichen 10 km nach Šiaulai mit!

Durch die gewonnene Zeit konnten wir uns die Sehenwürdigkeiten ansehen. Der Reiseführer hatte zwar prophezeit, dass die Stadt keine “besonderen” Highlights zu bieten habe, aber ein wenig haben wir uns dann doch umgeschaut:

Die Kathedrale ist außen wir innen sehr schlicht gehalten und fällt vor allem durch den hohen Turm auf, den man von weit außerhalb der Stadt sehen kann.

Es gibt ein Fahrradmuseum, welches das wir allerdings nicht besichtigten. Zum Probesitzen hats dennoch gereicht. (:

Das Wahrzeichen der Stadt ist ein goldener Bogenschütze in einem Park, der etwas nach Antike anmutet.

Von dort kann man durch einen Friedhof zu einem See gehen, der von einen überdimensionerten Metallfuchs bewacht wird.

Nach dem kleinen Rundgang gingen wir noch schnell etwas essen, bevor wir Titas am Bahnhof trafen und wieder nach Vilnius zurückfuhren. Titas ist mit mir in der Projektgruppe und fuhr schon am Samstag Abend aus der Heimat zurük, um am Sonntag eine Tour mit dem Vilnius University Hiking Club zu unternehmen. Das klang ganz interessant und so verabredeten wir uns für den nächsten Tag am Busbahnhof.

Ein Monat Litauen

Jetzt bin ich schon einen ganzen Monat hier, vielleicht ein guter Zeitpunkt um ein erstes Resümee zu ziehen und meine mittlerweile etwas gefestigteren Eindücke zu schildern.

Vorweg: Ich bin unglaublich froh hier gelandet zu sein und nicht wie ursprünglich geplant in einer britischen oder skandinavischen Kleinstadt. In Vilnius ist viel los und man wird an vielen Ecken mit etwas Neuem überrascht. Man merkt einfach das es eine EU-Hauptstadt ist — mit allem was dazugehört: Konzerte, Festivals, Museen, Austellungen… von Parties und den abendlichen Möglichkeiten gar nicht zu sprechen, die von den meisten ERASMUS-Studierenden natürlich stark wahrgenommen werden.

Auch ist die Cafeszene sehr angenehm: Oftmals sind sie eine Symbiose aus Buchladen und Cafe mit ausgepolsterten Schaufenstern, wo man sehr gemütlich verweilen und im Internet surfen kann.

Das Bezahlen in Restaurants läuft übrigens folgendermaßen ab: Man lässt sich die Rechnung (meistens ins einem kleinen Schächtelchen) bringen, bezahlt und kriegt das Rückgeld wieder gebracht. Danach kann man sich überlegen, wie viel Trinkgeld man geben will, was allerdings auch außerhalb von Studierendenkreisen nicht sonderlich viel ist. Normalerweise zwischen 5 und 10%.

Wie ich es bisher sonst nur aus den skandinavischen Ländern kannte, sind Unisextoiletten in Gaststätten, aber auch in der Uni nicht unüblich.

Der Transport ist hier (wie das Meiste) sehr günstig: Das Monatsticket für alle Arten von Bussen in Vilnius kostet 20 Litas, und man kommt mit Reisebussen oder mit der Bahn für ca. 10-15 Euro praktisch an jeden Fleck des Landes. Auch international muss man wenn man genug Zeit hat nicht sehr viel hinblättern: Wenn man ca. einen Monat im Voraus bucht, kommt man für 23 Euro nach Talinn, nach Riga für 11, nach Petersburg für 32, nach Minsk für 13 und nach Berlin für 36.

Der Nationalsport ist mit großem Abstand Basketball vor Fußball. Zur Zeit der Basketball-Europameisterschaft fieberte das ganze Land mit, wie man es in Deutschland nur vom Fußball her kennt und die Litauer werden nicht müde zu betonen, wie stolz sie als so kleines Land auf die Silbermedallie sind. Leider habe ich noch keinen Handballverein für mich gefunden, bin aber noch auf der Suche.

Von der Sprache her ist es vor allem auf dem Land mit Englisch nicht immer leicht durchzukommen. Grob gesagt sprechen die meisten jungen Leute Englisch, während man es bei Älteren besser mit Russisch versuchen sollte. Oft hört man auch, dass in Restaurants und in den Supermärkten die Angestellten Russisch untereinander reden. Was da der Grund ist, weiß ich auch noch nicht. Eine Ausnahme war Klaipeda und die Kurische Nehrung, wo man auch mit Deutsch etwas anfangen hätte können.

An der Mathe- und Informatikfakultät werden die Kurse für ERASMUS-Studierende außerhalb des normalen Lehrbetriebes angeboten. Wir sind Gruppen von 2-5 Studierenden, und bekommen in unterschiedlichen Modi Unterricht:
Die eine Möglichkeit ist, das wir Anhand von einem Script oder eines Buches den Stoff selbstständig erarbeiten, dann mit den Professoren besprechen und wöchentlich Hausaufgaben dazu anfertigen, die teils auch bewertet werden.
In dem Projekt (welches mit Litauern zusammen ist) gibt es Präsenzzeiten, in denen in der großen Gruppe Konzepte und Herangehensweisen besprochen werden, während wir die meiste Zeit in der Kleingruppe unser Projekt voranbringen. Dazu werde ich ein anderes Mal noch ausführlicher schreiben.
Es gibt aber auch das übliche Bamberger Modell, wo es neben der regulären Vorlesung freiwillige Übungsaufgaben zu bearbeiten gibt.

Das Internet in Litauen ist übrigens echt fix… Leider wird diese Euphorie durch Portsperren im Wohnheim und in den normalen Bibliotheken etwas relativiert. An der Informatikfakultät ist jedoch alles offen und man sieht viele Kommilitonen in Zwischenstunden Computerspiele zocken. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass Litauen EU-Weit führend in Sachen Glasfaseranschlüssen ist.

Was auch sehr krass ist, dass die Heizungen sowohl im Wohnheim, als auch in den Unis zentral und unabhängig von der Wetterlage an einem festgelegten Datum (angeblich heute, am 1.10.) angeschaltet werden. Nachdem es in den letzten 1.5 Wochen sehr abgekühlt hat, war ich zuletzt mit mindestens zwei Pullovern und teilweise noch mit einer Jacke drüber in der Bibliothek, habe aber trotzdem noch gefroren. Mal schauen, ob der Oktober das Besserung bringt!

Soviel für jetzt, ich freue mich sehr über Emails und die Kommentarfunktion ist auch nicht zum natürlich Spaß da (ja das war ein Wink mit dem Zaunpfahl! (: ).

VU_PresTeX — Eine LaTeX-Beamer Vorlage für die Vilnius University

Ich erstelle alle meine Präsentationen mit Hilfe der Beamer-Klasse von LaTeX. Dafür habe ich an der Uni Bamberg meistens das Template von Marcel Großmann verwendet.

Da Marcels Vorlage aber dem Corporate Design der Uni Bamberg (Zugriff nur mit UniBa-Account) angepasst ist, dachte ich mir das es ganz gut wäre etwas equivalentes zu haben. Schließlich werde ich hier auch einige Präsentationen halten.

Auf Grundlage von Marcels Template und dieses Farbschemas der Uni Vilnius habe ich die Farben angepasst. Ebenso habe ich eine unterstützung für die litauische Sprache eingebaut (für Datumsangaben, Beschriftungen, etc) damit man Präsentationen potenziell auch auf Litauisch halten könnte.

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Der Code liegt bei Github, ich freue mich über Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge! Für diejenigen, die grade keinen LaTeX-Compiler zur Hand haben, habe ich das Beispiel-PDF hier angehängt.

Ausflug zur Kurischen Nehrung

Nida

Am Wochenende habe ich den nächsten Nationalpark bereist, diesmal im Nordwesten Litauens an der Grenze zur russischen Enklave Kaliningrad.
Wir brachen am Samstag um 5 in der früh auf und fuhren knapp fünf Stunden mit der Bahn zur Hafenstadt Klaipeda. Der Zug wurde nicht beheizt und war in Folge dessen bitterkalt. Ich hatte über dem Tshirts zwei Pullover und eine Jacke an und habe immer noch gefrohren. Bezeichnend war auch, dass die Schaffnerin mit Kohle(!) einen Wasserkessel für Kaffee und Tee angeschürt hat.

In Klaipeda angekommen, haben wir unsere Sachen im Hostel abgelegt und sind gleich auf Erkundungstour in die Stadt gegangen. Die Altstadt ist nicht besonders groß und da die Tourist Information wiederum zu hatte, sind wir mit der Fähre zur Nehrung übergesetzt.

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Die Kurische Nehrung ist eine ca. 100 km lange Landzunge, die in die Ostsee hereinreicht und im litauischen Teil sehr parallel zur Küste verläuft. Dabei ist sie recht dünn, laut Reiseführer zwischen 400 m und 3.8 km. Im Norden — wo wir am Samstag waren — ist alles sehr dicht bewaldet, lediglich auf der Ostseeseite ist ein wunderschöner Sandstrand, praktisch frei von Steinen, Algen, Tang und sonstigen Störelementen. Da das Wetter auch mit gespielt hat verbrachten wir da einige Zeit in der Sonne und gingen mit den Füßen auch ins Wasser.

Strand

Schließlich wanderten wir über die Nordostspitze zurück zur Fähre. Auf dem Weg war noch ein Delfinarium zu sehen, das allerdings wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war.
Nachdem wir in die Zimmer bezogen hatten und zu Abend gegessen hatten, gingen wir noch einmal in die Stadt und erkundeten die Barsituation, die garnicht zu schlecht war. In der einen gab es sogar Aecht Schlenkerla Rauchbier!

Am Sonntag fuhren wir mit dem Bus nach Nida, dem Hauptort auf der litauischen Seite der Nehrung. Der Hafen ist mit den typischen Wimpeln geschmückt und es ist auch so einiges los. Wir konnten einige Windsurfer und Seglern zuschauen, wie sie ein Rennen im Kurischen Haff veranstaltet haben.
Wir wanderten in Richtung Russland, was grade mal 4 km entfernt war, in Richtung der Parndžio Düne, die man mit Treppen erklimmen konnte. Oben ankommen, konnte man erstmal den Obelisken bestaunen und dann die Umgebung kilometerweit überblicken. Insbesondere der Blick in Richtung Russland war sehr sehenswert, die Grenzregion wird als die “litauische Sahara” bezeichnet.

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Nachdem wir dort ein wenig erholt hatten und ein paar Photos gemacht hatten, nahmen wir den Abstieg in Richtung Ostsee, wo wir wiederum eine Weile am Stand spazierten, was wir aufgrund des recht starken Windes aber dann doch bald bleiben ließen und nach Nida zum Mittagessen zurückkehrten. Nach diesem kauften wir noch ein paar Souveniers, schauten uns nochmal Ort und Hafen an und nahmen den diesmal sehr warmen und stickigen Bus direkt nach Vilnius.

Dort gingen wir direkt mit drei Franzosen in eine Bar um das Finale der Basketball-Europameisterschaft zwischen Frankreich und Litauen anzuschauen. Frankreich gewann sehr verdient und deutlich, dennoch war die Stimmung sehr gut und trotz der Niederlage wurde die Mannschaft mit Sprechchören gefeiert. Die Franzosen die schon während dem Spiel sehr lautstark ihr Team unterstützt haben bekamen sogar von einer litauischen Kommilitonin ein Bier ausgegeben. Wenn das nicht FairPlay ist!

Aukštaitija Nationalpark

Am Wochenende waren wir in dem Aukštaitija Nationalpark. Es gibt dort über 200 Seen und eigentlich wollten wir mit gemieteten Booten die Gegend ein wenig erkunden. Mit dem Zug (110km / 1h 50 min Fahrtzeit / 2 Euro die Einzelfahrt) dort angekommen mussten wir erstmal nach Palūšė kommen. Leichter gesagt als getan. Denn am Samstag fuhren partout keine Busse in diese Richtung. Also mussten wir ein Taxi für die 4 km nehmen.
Während im Hauptort, Ignalina, es abgesehen von den nicht verkehrenden Bussen noch ganz lebhaft war (es sind jede Menge Jäger mit Hunden und Gewehren, sowie einer Schulklasse aus dem Zug ausgestiegen), kam uns Palūšė wie nach einer Zombieapokalypse vor. Obwohl das Dorf gar nicht so klein ist, war es sobald das Taxi um die Biegung gefahren war absolut still und keine Personen oder auch Licht zu sehen.
Nachdem wir die Holzkirche inspiziert hatten, suchten wir am Ufer des Flusses einen Bootsverleih und wurden sogar tatsächlich fündig. Zu meinem Missfallen war die Gruppenentscheidung dann aber doch gegen Bootfahren, weil es ja zu kalt sei. Also wanderten wir zunächst am Flussufer, später durch den Wald durch die Gegend. In einem anderen Dorf, Meironys, gab es wenigstens ein paar, zum Teil sehr alte Menschen, die uns größtenteils nur verdutzt ansahen oder uns Äpfel anboten.

Auf dem Rückweg gingen wir ü eine Schleife nach Ignalina, wo wir noch 2 Stunden bis zum nächsten Zug hatten und uns also auf die Suche nach einer Bar machten. Nun war die Stadt aber wiederum total ausgestorben, kaum Menschen auf der Straße und alles sehr grau in grau, zumal die Sonne hinter den Wolken schon niedriger stand. Ein krasser Unterschied zur Metropole Vilnius. Schließlich fanden wir doch noch ein Restaurant, tranken unser Bier bzw. Kaffee, gingen danach wieder zum Bahnhof und fuhren heim.

Zweite Woche — Uni geht so langsam los.

Die zweite Woche ist rum und mit einer Ausnahme hatte ich mittlerweile alle Vorbesprechungen zu den Kursen. Auf dem Semesterprogramm stehen Künstliche Intelligenz, Software Engineering, Kodierungstheorie, Cryptographie und ein 15 ECTS Projekt in dem wir einen “smarten” WLAN-Lautsprecher bauen. Den “Survival Lithuanian Language Course” hab ich heute schon mit einer 10 (Die Noten hier gehen von 1 bis 10) abgeschlossen.

Die Kurse verlaufen alle nach unterschiedlichen Systemen. In Künstlicher Intelligenz haben wir ganz normal eine englischsprachige Vorlesung mit litauischen Kommilitonen, gehalten von einer ERASMUS-Austauschdozentin aus der Slovakei, während die Übung weiterhin vom litauischen Prof. gehalten wird. In Kodierungstheorie haben wir jeweils Kapitel des Buches zu lesen und Hausaufgaben anzufertigen, die dann beim nächsten Treffen besprochen werden. In Software Engineering müssen wir die Vorlesung eigenständig aus dem Buch erarbeiten und haben nur die englischsprachige Übung zusammen mit den Litauern.
Das erwähnte Projekt besteht sowohl aus Vorlesung, Übung und naheliegenderweise aus Projektzeit. Ich bin mit vier litauischen Kommilitonen in einem Team, für die es jedoch das erste Programmier- und Hardwareprojekt ist. Die Stimmung ist ganz gut und bisher klappt das gemeinsame Arbeiten auch gut. Wie die meisten jungen Leute sprechen sie gut English und durch die unscharfen Projektvorgaben (problembasiertes Lernen) ist die Motivation durchaus hoch. Nächste Woche treffen wir uns mit dem “Kunden”, einer Firma die sich auf Microcomputer mit Embedded Linux spezialisiert hat, um deren Vorstellungen zu dem Produkt zu erfahren und entsprechende Hardware zu bekommen.

Auch unter der Woche ist in der Stadt so einiges los. So ist nach dem Stadtfest am letzten Wochenende der Gediminas Prospekt, die Haupstraße von Vilnius, nun für einen mittelalterlichen Markt mit vielen Zelten und Essensmöglichkeiten gesperrt. Auch macht in den nächsten Tagen die European Space Expo hier halt. Apropos: An meiner Fakultät bauen ein paar Lehrstühle an einem Satelliten, den sie in ein paar Jahren ins All schießen wollen. Vielleicht springt da ja nächstes Semester noch ein weiteres Projekt bei raus? (:
Am Mittwoch sind wir noch durch Zufall über ein Konzert von einigen jungen Streichern aus irgendeinem Kammerorchester gestolpert. Das Sextett hat mit einigen zeitgenössischen Stücken, unter Anderen von Arvo Pärt, einen Brunnen nahe der französischen und polnischen Botschaften in eine Konzertbühne verwandelt. Das war sehr sehens- und hörenswert.
Konzert

Für morgen ist der Plan in den Aukštaitija Nationalpark zu fahren und mit Booten von See zu See (es gibt dort 210!) zu paddeln. Wir werden ca. zu zehnt um 7:50 Uhr am Bahnhof aufbrechen und auf gutes Wetter hoffen.

Mit Dank an Nadja für das Bild.